Bankdrücker? „Klar, die kenne ich“, wird so mancher Fußballexperte denken. „Das sind doch die Spieler, die es bei den Klubs nicht in die erste Elf schaffen, meist nur als Reservisten ein Dasein auf der Reservebank fristen und daher als „Bankdrücker“ bezeichnet werden!“ – Nun, diese Sportler sind hier ganz gewiss nicht gemeint; Bankdrücken ist laut Wikipedia „eine Grundübung im Krafttraining sowie eine Sportart aus dem Bereich Kraft­sport. Neben dem Kniebeugen und Kreuzheben ist es eine Teildisziplin des Kraftdreikampfs, international auch Powerlifting genannt. In diesem Sport gibt es – wie in vielen anderen Sportarten auch – nationale und internationale Meisterschaften, auch Weltmeisterschaften im Bankdrücken, die von der „International Powerlifting Federation“ veranstaltet werden. Im Bodybuilding und in vielen anderen Sportarten ist Bankdrücken weit verbreitet, um die Brustmuskeln auszubilden.“

Spitzensportler in Flensburg

Sie haben eine ungewöhnliche Figur, auf den zweiten Blick ein durchaus breites Kreuz, wie man es bei Kraft­sportlern auch erwarten darf: Dem Flensburger Brüderpaar Christoph und Gerrit Scheel sieht man bei genauem Hinsehen die unbändige Kraft sogleich an, so haben ihre Oberarme etwa den Umfang anderer Leute Oberschenkel! Das ist kein Zufall: Schließlich bilden die „Scheel Brothers“ ein „Powerlifting-Duo“, das nicht nur in Flensburg, sondern sogar weltweit seinesgleichen sucht, das seit Jahren zur absoluten Weltspitze im Kraftdreikampf (Christoph) sowie im Bankdrücken (Gerrit) zählt!











Flensburger Jungs

Christoph (heute 32 Jahre alt) und Gerrit (26) sind beide in Flensburg geboren, hier zur Schule gegangen und hier am Ort „groß geworden“, wie es so schön heißt. Christoph, der Ältere, hat die Realschule West besucht, später die Handelslehranstalt, Bankkaufmann gelernt, und sich per Fernstudium zum Fachberater für Finanzdienstleistungen ausbilden lassen; er ist heute als Selbständiger in diesem Metier tätig. Der sechs Jahre jüngere Gerrit war auch auf die Real-West, später auf die Eckener-Schule gegangen, und hat später nach absolvierter Lehre die Meisterprüfung erfolgreich abgelegt in Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik; er arbeitet heute im elterlichen Betrieb Rolf-R. Scheel vor Ort mit. Wie viele Jungen haben beide als Heranwachsende diverse Sportarten ausprobiert. Christoph hat ursprünglich Kampfsport (Kickboxen) betrieben, ist dabei irgendwann auf Kraftsport wie das Bankdrücken aufmerksam geworden, hat eine Zeitlang beide Sportarten ausgeübt, ehe er den Schwerpunkt auf Kraftsport gelegt hat und schließlich nur noch diesen Sport betrieben hat und immer noch betreibt.

Gerrit ist mit Tennis angefangen, hatte sich den spanischen Weltklassespieler Rafael Nadal zum Vorbild genommen, und war sowohl von dessen Spielweise als auch seiner ausgeprägten muskulösen Ausbildung beeindruckt. Bruder Christoph hat ihm daraufhin den Tipp gegeben, es doch auch einmal mit Kraftsport zu versuchen – und so begann schließlich die Erfolgsgeschichte der beiden Brüder Scheel. Angefangen sind beide in praktisch allen Flensburger Fitnessstudios, die sie nach und nach ausprobiert haben. Mittlerweile sind sie im „Pump and Punch“ in Flensburg, Munketoft 1c, gelandet, sind dort sehr glücklich und zufrieden mit den  Trainingsbedingungen und Möglichkeiten, die sie dort vorgefunden haben, die in ihrem speziellen Fall wohl auch nicht jedes kommerzielle Studio leisten kann und will. Christoph macht neben dem Bankdrücken auch Kniebeugen und Kreuzheben, also den Kraftdreikampf, während Gerrit sich wegen seiner Knieprobleme auf das Bankdrücken beschränkt. Beim Bankdrücken unterscheidet man zwei Arten der Ausführung:

• Raw-Bankdrücken – der Athlet trägt „normale“ klassische Sportkleidung wie T-Shirts,
•  Equipment-Bankdrücken – hierfür zieht der Athlet ein so genanntes Bankdrückshirt an, dieses unterstützt den Athleten stark im unteren Bereich, somit können weitaus höhere Lasten bewegt werden.

Die Meisterschaften und Titel-Wettkämpfe werden fast ausschließlich im „Raw“-Bereich ausgetragen, hier schafft Gerrit (sein eigenes Körpergewicht beträgt 82 kg) maximal 200 kg, Christoph (wiegt 97 kg) hingegen bis zu 250 kg im Maximum.

Die ersten Erfolge, und der rasante Aufstieg in die Weltspitze

Um an offiziellen Wettkämpfen teilnehmen zu können, muss man Vereinsmitglied sein, so sind beide Sportler dem TSV Friedrichsberg-Busdorf beigetreten, natürlich in der Sparte „Kraftsport“, und sind dort seit dem Jahr 2010 Mitglied. In jenem Jahr haben beide Brüder ihre ersten Wettkämpfe bestritten. Christoph ist noch im gleichen Jahr 2010 Landesmeister in Schleswig-Holstein im Bankdrücken geworden, im Folgejahr 2011 wurde er norddeutscher Meister, gewann noch in 2011 gar die deutsche Meisterschaft. An den deutschen Meisterschaften nehmen in allen Klassen immerhin rund 600 Kraftsportler teil! In der Klasse bis 90 kg nahm er gar an den Europameisterschaften in Prag teil, und wurde dort auf Anhieb Vize-Europameister!

Im Jahr 2012 haben sich beide Brüder sogar für die Teilnahme an der Weltmeisterschaft qualifiziert, die seinerzeit in Las Vegas (USA) ausgetragen wurde.
„Las Vegas, überhaupt die USA, waren ein unvergessliches und beeindruckendes Erlebnis“, wie beide unisono betonen, und der sportliche Erfolg auf dieser Mega-Veranstaltung konnte sich sehen lassen: Christoph wurde Vize-Weltmeister in der „Open“-Klasse (Alter der Teilnehmer zwischen 25 und 45 Jahren), Gerrit ging in der Juniorenklasse an den Start, und errang auf Anhieb den Titel „Weltmeister“! Weitere Starts sollten in den kommenden Jahren folgen; neben zahllosen nationalen und europäischen Sportstätten ging es für beide Kraftsportler auch noch zu weiteren Weltmeisterschaften, so gewann etwa Christoph im Jahr 2014 bei den Weltmeisterschaften im Powerlifting (Bankdrücken), in West Palm Beach, Florida (USA), den Titel mit einem Gewicht von 255 Kilogramm in der Disziplin „Single Fly“. Neben diesem Titel errang er in den beiden anderen Sparten des Kraftdreikampfs immerhin noch „Silber“.

Und auch sein Bruder Gerrit, der als 23jähriger noch zu den Junioren zählte, konnte in der Juniorklasse gleich dreifach Gold abräumen. Insgesamt gingen rund 1.000 Teilnehmer bei diesem Event an den Start. Das gute Abschneiden der beiden Flensburger war umso höher zu bewerten, da beide Athleten noch kurz vor der Abreise verletzt waren. „Doch unser Physiotherapeut Marc Saknus hat uns rechtzeitig fit gekriegt“, freute sich nicht nur Gerrit über die optimale Betreuung. Der Flensburger Marc Saknus und sein Team betreuen die Scheel-Brothers bereits seit Jahren mit viel Erfolg, wie beide Brüder im Gespräch immer wieder betonen. Der „Physio“ plus Team ist, neben der Unterstützung durch die Familie und Freundin, die einzige Hilfe, die beide Sportler für sich in Anspruch nehmen; alles Weitere, angefangen vom Erstellen von Trainingsplänen bis hin zu den Reise- und Terminplanungen, regeln sie in Eigenregie.

Leben des Kraftsportlers

Neben dem intensiven Training ist richtige und ausgewogene Ernährung ein immer wiederkehrendes Thema im gesamten Kraftsport. In Normalphasen trainieren beide viermal pro Woche, vor Wettkämpfen erhöht sich die Intensität auf fünfmaliges Training – nach großen Wettkämpfen wie den Weltmeisterschaften wird auch mal für einige Tage Urlaub gemacht, meist direkt in den WM-Regionen wie Las Vegas und Florida, so ging es mit den engsten Angehörigen nach der WM in Florida auf eine einwöchige Kreuzfahrt. Für den sinnvollen Muskelaufbau ist neben dem Training die richtige Ernährung wichtig: Haferflocken, Pute, Salate usw., insgesamt wenig Fett, viel Eiweiß, Kohlenhydrate und isotonische Drinks. „Doping“ ist im Kraftsport leider immer wieder ein Thema – insbesondere in den ehemaligen Ostblockstaaten wird immer noch von zahlreichen Athleten diese Form der Leistungssteigerung gewählt, und die Scheels kennen genügend Sportler, die so versuchen ihre Leistungen zu verbessern. Beide sind jedoch schon bei unzähligen Gelegenheiten getestet worden – immer „negativ“, und wissen natürlich auch darum, wie gefährlich für die eigene Gesundheit das „Dopen“ werden kann.

Trainingsintensität

In den Trainingseinheiten wird kräftig gearbeitet, und ganz schön viel Gewicht in die Höhe gebracht – so meistert Christoph während einer Trainingseinheit gewöhnlich folgende Gewichte: Beinpresse bis zu 800 kg, Bankdrücken bis zu 300 kg, Schulterdrücken bis zu 150 kg, Bizeps bis zu 80 kg, Kniebeugen bis zu 280 kg, Kreuzheben bis zu 280 kg Bei Gerrit liegen die Werte nicht ganz so hoch, er bringt ja auch entsprechend weniger Kilos auf die Waage.



Status beider Sportler

Kraftsport ist teilweise olympische Disziplin (z. B. Gewichtheben, Ringen), und wird in vielen Ländern – dort, wo er einen höheren Stellenwert als hierzulande genießt, durchaus von staatlicher Seite gefördert. Das ist in Deutschland nicht der Fall, wobei beide Scheels durchaus die Hoffnung haben, dass die von ihnen betriebenen Sparten des Kraftsports vielleicht eines Tages olympisch werden könnten und dann eine entsprechende Förderung möglich wäre. Christoph und Gerrit sind aus finanzieller Sicht lupenreine Amateure, haben allerdings einige Sponsoren, die Teile der anfallenden Kosten für Reisen und Unterbringung übernehmen. Sie können jedoch keinesfalls von ihrem Sport und ihren überragenden Erfolgen ihren Lebensunterhalt bestreiten. So haben sie als voll Berufstätige stets einen ausgefüllten Tagesablauf, in dem neben Arbeit, Training und Wettkämpfen kaum Zeit für andere Aktivitäten bleibt.

Ziele für die Zukunft

Insgesamt haben es beide Scheel Brothers schon auf sieben Weltmeistertitel gebracht – die Zahl „10“ haben sie sich zum Ziel gesetzt. „So viele Titel wie Schumi als Formel-1-Pilot geholt hat!“, meint Christoph augenzwinkernd. Beide sind noch lange nicht erfolgsmüde, zudem ist Kraftsport eine Sportart, die man auch im gesetzten Alter noch erfolgreich betreiben kann. Christoph und Gerrit sind sich einig, dass dieser Sport ihnen schon viel gegeben hat, neben den zahlreichen Erfolgen haben sie schon viel von der Welt gesehen, und viele interessante Menschen bei ihren Reisen kennengelernt. „Ich würde es sofort wieder so machen“, ist sich Gerrit sicher, und Christoph ergänzt, dass ihre gemeinsame Sportlerkarriere sicher noch viele Highlights für sie bereithält.

Wir wünschen den beiden sympathischen Flensburger Jungs auf ihrem weiteren Weg den angestrebten sportlichen Erfolg, aber auch das nötige Vergnügen, Glück und Gesundheit! Man sieht sich irgendwo in unserer schönen Stadt!
Text: Peter Feuerschütz, Bilder: Benjamin Nolte

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