Kaum habe ich die Augenklinik verlassen und die erste Rechnung an die Verrechnungsstelle beglichen, flattert mir die Spendenaufforderung einer Blindeneinrichtung für Kinder in Afrika ins Haus.

Kaum ist die Überweisung für den Orthopäden an die Verrechnungsstelle abgebucht, erhalte ich einen DIN A4-Umschlag aus den Niederlanden mit dem Aufdruck „Hilfe meine Gelenke“ und der Drohung: „…diesen Brief nicht zu lesen, kann Sie Ihre Gesundheit kosten!“











Eine Fördergemeinschaft „Kinderherzen“ – nie gehört – schickt mir einen vorgedruckten Überweisungsträger.

Ein Förderverein „Hilfsaktion N…..“ sendet mir sogar eine mit meinem Namen versehene textile Tragetasche zu, damit ich finanziell helfe, eine gewebezersetzende Krankheit einzudämmen.

Dann soll ich noch den Hunger im Südsudan bekämpfen helfen.

Und eine Seniorenresidenz preist ihre Leistungen an.

Immerhin war deren Schreiben ein Hinweis über meine Rechte gem. § 28 (4) Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) beigefügt. Danach habe ich das Recht, der Nutzung meiner personenbezogenen Daten zum Zwecke der Werbung zu widersprechen.

Soweit so gut, aber ich müsste das schriftlich tun. Verantwortlicher Adressat war nicht etwa die Seniorenresidenz, sondern ein Versandhaus, bei dem ich gelegentlich bestellte. An beide habe ich meinen schriftlichen Widerspruch gesandt und das Versandhaus hat meinem Widerspruch sogar stattgegeben.

Aber müsste es nicht umgekehrt sein? Keine Weitergabe von Daten von wem auch immer, zu Werbe- und anderen Zwecken an wen auch immer. Nicht diejenigen, deren Daten geschützt sein sollen, sollten gezwungen sein aktiv zu werden, sondern die Daten dürften von vornherein nicht verwendet (verkauft!) werden.

Es gibt doch Datenschutzbeauftragte. Ich frage bei der Verbraucherzentrale Flensburg um Rat. Dort erhalte ich von der Beratungsleiterin Christine Hannemann den Hinweis auf eine Broschüre „Meine Daten gehören mir – Datenschutz im Alltag“. Eine wirkliche Fundgrube. Ein näheres Eingehen auf die vielen darin behandelten Bereiche würde diesen Artikel sprengen. Ich greife einige „Tipps“ zum richtigen Verhalten heraus:

Unerwünschte Werbung

Die Datenschutzgesetze sorgen dafür, dass Unternehmen Ihre persönlichen Daten nur unter bestimmten Voraussetzungen für Werbung, Markt- und Meinungsforschung nutzen und verkaufen dürfen. Oft müssen Sie einwilligen. Außerdem können Sie widersprechen und falsche Daten korrigieren lassen. Aber: Ausnahmen bestätigen die Regel!

Tipp: Achten Sie auf die Einwilligungserklärungen im Kleingedruckten. Sie müssen besonders hervorgehoben werden. Widerspruch gegen Werbung:

Sie können widersprechen. Ein Widerspruch ist jederzeit möglich.

Die Deutsche Telekom gibt ihre Kundendaten weiter an die DeTeMedien. Ihre Daten dürfen nur aufgenommen werden, wenn Sie nicht widersprochen haben.

Einkauf im Laden

Kundenkarte – viele Daten für wenig Geld. Tipp: Verzichten Sie auf Kundenkarten, wenn Sie sichergehen wollen, dass Ihre Einkäufe nicht für Werbung und die Erstellung von Kundenprofilen genutzt werden (fünf weitere Tipps folgen).

Es geht weiter durch alle Lebensbereiche: Kinder, Spiele, Internet und auch Gesundheit. Ein Stichwort dazu: „Auskünfte von behandelnden Ärzten/Krankenkassen“. Ohne Ihre Einwilligung dürfen Patientendaten nicht weitergegeben werden. Patientendaten sind sensible Daten! Zu den mich behandelnden Ärzten habe ich diesbezüglich volles Vertrauen, nicht aber zu den Krankenkassen, Verrechnungsstellen und Versandhäusern. Die Krankenkassen haben ein starkes Interesse an Ihren Gesundheitsdaten, weil die Mitgliederstruktur für bestimmte Ausgleichszahlungen maßgeblich ist.

Tipp: Informieren Sie die Datenschutzbeauftragten, wenn Sie Anhaltspunkte haben, dass Ihre Krankenkasse unzulässigerweise Diagnosedaten bei Ihrem Arzt anfordert.

Auch den Banken, Auskunfteien und Versicherungen sind Kapitel gewidmet

Nach dem Durchstöbern der Broschüre bleibt bei mir durchgängig der Eindruck, dass das BDSG nicht die persönlichen Daten der Bürger schützt. Die Betroffenen, die ihre Daten geschützt wissen wollen, müssen ständig auf der Hut sein, nicht durch Kleingedrucktes und schwammige „Allgemeine Geschäftsbedingungen“ um den ihnen zustehenden Schutz ihrer Daten gebracht zu werden. Haben unsere Abgeordneten das bei der Verabschiedung des Gesetzes sorgfältig erwogen oder waren die Lobbyisten zu tüchtig? Mein Fazit: Wachsam, vorsichtig, zurückhaltend zu bleiben und im Zweifelsfall – notgedrungen – aktiv zu werden. Aber nicht ständig misstrauisch sein! Das verdirbt die Laune.

Ingeborg Asmußen-Müller 

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