„Schleswig-Holstein Meer umschlungen“ heißt die Hymne des nördlichen Bundeslands – teilweise vom Wasser umgeben ist auch die Stadt Flensburg, von der Förde der Ostsee, dazu aber auch von 23 Bächen und Wasserläufen. Laut dem „Flexikon“ wird die Stadt von einem ausgedehnten Fließgewässersystem durchzogen, von denen die meisten Bäche inzwischen aus dem Stadtbild verschwunden sind. Sie sind kanalisiert oder gar verrohrt. So fließt zum Beispiel unter der Toosbüystraße die Glimbek. Kaum zu glauben, wenn wir dort das starke Verkehrsgeschehen beobachten. Bis etwa vor hundert Jahren floss die Glimbek noch offen durch das Kanalsystem der Innenstadt zum Hafen. Ab 1900 wurde die Toosbüystraße im Glimbektal angelegt und mit Sand verfüllt, gleichzeitig der Stadtpark gebaut. An der Nordflanke des Tals entstand der Burgfried, die Straße, die zur mittelalterlichen Duburg führte. Der Stadtpark wird von Spaziergängern hoch geschätzt, deren Kinder finden hier einen tollen Spielplatz.Ähnlich geht es den übrigen früheren Bächen (Bek ist Plattdeutsch) wie Lachsbach, Glimbek, Osbek, Scherrebek, Lautrupsbach, Mühlenstrom, Flensau und Marienau. Schluchtartig legten sie ihren Weg vom Moränenplateau wie Täler in die Förde, wurden als Verkehrswege ausgebaut – als Lebensraum für Pflanze und Tiere haben sie keine Bedeutung mehr. Allerdings stellen die Autoren vom „Flexikon“: „Langsam denkt man wieder daran, sie ans Tageslicht zurückzuholen und ihnen – soweit in der räumlich beengten Stadt möglich – ihren natürlichen Lauf zurückzugeben“.

Ganz anders der Lachsbach: Der schlängelt sich durch ein kleines grünes Tal durch Kleingärten und liegt nahe der dänischen Grenze bei Harrislee. Der Lachsbach steht wie einige andere Flensburger Wasserläufe unter Landschaftsschutz, weil er ein offenes Gewässer, eine Feuchtwiese und Knicks besitzt. Dadurch ermöglicht er einen Luftaustausch gegenüber der Innenstadt, hat also einen günstigen Einfluss auf das Stadtklima. Auf dem Weg zur Förde fließt der Bach entlang der Straße „Am Lachsbach“, und der bildet den Süden des Kluesrieser Gehölzes. Dort mündet er seit 2009 am Strand von Wassersleben. Im Mündungsbereich ist der Lachsbach verrohrt.











Der Osbek schreibt seit Jahrhunderten von Jahren Geschichte in Mürwik. Er ist nicht allein ein kiesreiches förde-
typisches Bachbett, sondern auch ein Stadtteil Mürwiks und findet dank seines starken Gefälles günstige Lebensbedingungen für eine artenweite Kleintierwelt. Um die 60 Hektar groß ist das Osbektal und steht unter Landschaftsschutz, das Gefälle bildet Frischluftschneisen im Austausch mit der Innenstadt. Wiesen, Knicks und Gehölze wechseln sich mit Kleingewässern und bewaldeten Hügeln. Beschaulich muten die kleinen Gärten an. Rad- und Wanderwege laden ein zu Spaziergängen.

Kleinod für

Frösche und Kröten

Scherrebek: Er liegt im Flensburger Süden, nahe der B200 und dem Gewerbegebiet „Sophienhof“. In den 1990er Jahren nahm sich der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) des damals vermüllten Gebiets an und verwandelte es in das idyllische Scherrebektal. Es entstand ein Kleinod mit Teichen für Frösche und Kröten, in dem sich inzwischen sogar wieder der scheue Eisvogel wohlfühlt. In diesem Landschaftsschutzgebiet sorgt der schillernde Eisvogel in meterlangen künstlichen Lehmwänden für Nachwuchs. Dafür wurde 2006 ein besonderes Pflege- und Entwicklungskonzept beschlossen – ein naturnahes Bachbett für den Scherrebek und schöne neue Wanderwege für die Spaziergänger.

Mit Hilfe von Scherrebek, Marienau und Flensau gelingt es dem Mühlenstrom als einziger Flensburger Bach den Durchbruch durch den Moränenring um die Innenförde. Bereits vor 300 Jahren entstand in der Senke der Schützenkuhle eine Wassermühle, in der Papier hergestellt wurde. Damals wurde das Areal als „wildes und unzugängliches Hennings Lundt“ tituliert. Um 1920 herum wurden 1,2 Kilometer des Mühlenstroms verrohrt. Damit opferte man den Bachlauf mit wandernden Fischarten zugunsten einer Verkehrsanbindung für den Stadtteil Rude. Für einige Meter trifft der Mühlenstrom 1998 dann wieder am ZOB zutage. Vom Künstler Uwe Appold gestaltet treibt dort ein Mühlenrad. Das Mühlenstromtal steht zwischen der Husumer Straße und Nikolaiallee unter Landschaftsschutz – mit offenen Wasserläufen, Wiesen und Feldgehölzen.

Der kleine Bach, der aus der Marienhölzung kommt, ist die Marienau. In dem Teichgelände zwischen den Stadtteilen Friesischer Berg und Weiche quaken heute wieder Frösche und Enten. An der Grenze beider Stadtteile verläuft die Marienau in einem durchweg unbebauten Tal. Bis zum Langberger Weg ist er verrohrt, danach schlängelt er sich frei durch das Tal zwischen Friedhof und Nikolaiallee. Wiesen, Feuchtgebiete und Knicks überzeugen: Im „Flexikon“ wird das Marienautal als ökologisch wertvollster Landschaftsteil Flensburgs dargestellt: „Erkunden und Genießen wärmstes empfohlen!“ Auch gibt es dort eine Streuobstwiese, auf der Brautpaare gemeinsam einen Baum pflanzen dürfen. Das ist der Hochzeitswald im Wilhelminental. Die Marienau mündet schließlich im Mühlenstrom östlich der B200.

Zwar gibt es Leute, die glauben, dass der Name unserer Stadt von ihm abgeleitet worden sein soll – aber die Flensau ist derartig unscheinbar, dass niemand richtig daran denken mag. Die Flensau ist ein kleiner Wasserlauf, der den Stadtteil Westliche Höhe entwässert. Fast alle Grundstücke sind dort an die Kanalisation angeschlossen, auch für die Oberflächenentwässerung spielt die kleine Au keine Rolle. Häufig ist sie verrohrt oder befindet sich auf privatem Grund und Boden. Die Flensau zeigt sich nur im Grüngebiet südlich der Realschule West und der Eckener Schule. Bevor sie in den Scherrebek mündet, kann man sie an Wanderwegen treffen, und als Teil des Mühlenstroms gehört sie natürlich auch zum Landschaftsschutzgebiet Flensburgs. Hedda Maue 

Literatur: „flexikon“, herausgegeben von der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte. Wikipedia. „Flensburger Straßennamen“ und „Flensburg – eine Stadt und ihre Geschichte“, von Dr. Dieter Pust.

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