Johnny Mahnke
Johnny Mahnke

Johnny Mahnke

Mitte der 1860er Jahre war Urgroßvater Mahnke bei der Reismühle in der Angelburger Straße/ Ecke Süderhofenden für den Fuhrpark der firmeneigenen Pferdegespanne verantwortlich.
Johnny Mahnkes Bericht beginnt im Johanniskirchhof, wo sein Großvater Christoph Mahnke im Jahre 1894 als damals 24Jähriger die Handelsvertretung „Nahrungs- und Genussmittel“ im Johanniskirchhof gegründet hatte. Er vertrat in Flensburg und im gesamten Kreis Schleswig bis rauf nach Sonderburg namhafte Marken. Da der junge Firmengründer weder ein eigenes Auto noch Pferd und Wagen besaß, bereiste er seine Kundschaft mit der Eisenbahn oder mit der Postkutsche.
Nach der Volksabstimmung 1920 und mit der neuen Grenzziehung war Nordschleswig an Dänemark gefallen. Das war für Christoph Mahnke ein schmerzliches Ende seiner ehemals guten Geschäftsverbindungen, die jetzt im Ausland lagen. Da nun der Export der von Mahnke vertretenen Marken nach Dänemark uninteressant geworden war, erlitten namhafte Flensburger Firmen große Umsatzeinbrüche, die sie nicht oder nur schwer verkraftet haben. Denn ein Drittel bis zur Hälfte der Warenlieferungen waren nach Apenrade, Sonderburg, Tondern oder Hadersleben gegangen.
Das seit 1898 vom Firmengründer von Hand geführte Hauptbuch mit den Jahresabschlüssen weist die Umsatzbewegungen über einige Jahrzehnte aus. Noch bis 1915 boomte das Geschäft. Doch bereits nach dem zweiten Kriegsjahr war ein 70prozentiger Umsatzeinbruch zu verzeichnen – dann ab 1920 inflationäre fünfstellige Zahlen vor dem Komma im galoppierenden Aufwärtstrend!











1935: Geschäftsübernahme in der zweiten Generation

Johnny Mahnkes Vater Hans, Jahrgang 1904, hatte bei August Westphalen auf dem Holm eine Ausbildung als Buch- und Kunsthändler abgeschlossen. Danach arbeitete er in seinem erlernten Beruf noch fünf Jahre in Dresden, Köln und Chemnitz. Wie Johnny Mahnke nachdenklich sagt, habe es sich bei seinem Vater ebenso wie bei ihm später um eine moralische Übernahme der Handelsvertretung gehandelt. Trotzdem habe der Vater, der erst 1947 nach schwerer Erkrankung (Ruhr) aus der britischen Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war, das Geschäft zur Blüte gebracht. Wie sich Johnny Mahnke noch heute an ganz persönlich geäußerte Gefühle der Dankbarkeit seines Vaters erinnert, habe der immer wieder von seinem ehemaligen Kriegskameraden Sörensen gesprochen, dem allein er das Überleben in der Gefangenschaft zu verdanken hatte. Inzwischen arbeitete Sörensen wieder als Schneidermeister bei Hans Jürgensen auf dem Holm. Erst beim Maßnehmen für einen Anzug im Jahre 1950 hatte Johnny den Lebensretter seines Vaters persönlich kennengelernt!

Wohnhaus und Handelsvertretung des Großvaters Christoph Mahnke am Johanniskirchhof (Zeichnung von 1927)
Wohnhaus und Handelsvertretung des Großvaters Christoph Mahnke am Johanniskirchhof (Zeichnung von 1927)

Umzug des Firmensitzes vom Burgfried in die Schiffbrückstraße

Auf Grund seines expandierenden Unternehmens hatte Großvater Christoph Mahnke seinen Firmen- und privaten Wohnsitz zum Burgfried 6 legen können. Sein Sohn Hans, der das Unternehmen im Jahre 1935 übernahm, zog später nebenan in das Haus Am Burgfried Nummer 8, wo auch unser Chronist aufgewachsen ist. Im Jahre 1948 verlagerte Hans Mahnke seine Geschäftsräume in die Schiffbrückstraße 8. Vermieterin dieses prachtvollen, roten Backsteingebäudes war Käthe Brun, Erbin der „Vereinigte Flensburg-Ekensunder & Sonderburger Dampf­schiffs-Gesellschaft“ Brun, kurz „Die Vereinigte“ genannt. „Die Vereinigte“ befuhr bis zur Abstimmung 1920 die nordschleswigschen Gewässer entlang der Flensburger Förde. Die neue Grenzführung aber bedeutete auch für „Die Vereinigte“ das Aus! In ihrer Nachfolge wurde im Jahre 1936 die Förde-Reederei gegründet – beliebt und bis heute bekannt durch ihre legendären Petuh-Fahrten, unter anderem auf der Alexandra!

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