Friedhof_Adelby_20150048_slider

Nirgendwo treffen Lebensanfang und Lebensende so nahe aufeinander wie in einer Kirche. Taufe und Trauerfeier werden am gleichen Ort zelebriert. Trotz des traurigen Anlasses spricht man von „Feier“, wenn der Verstorbene traditionsgemäß zu Grabe getragen wird. Das feierliche Zeremoniell soll den Hinterbliebenen Trost spenden, ihnen helfen, Lehren aus dem Leben des Verstorbenen zu ziehen und die Nachkommenden ermutigen, ihr eigenes Leben sinnvoll und erfüllend zu gestalten. Doch auch Traditionen sind dem gesellschaftlichen Wandel unterworfen. In den letzten Jahrzehnten haben sich zunehmend neue Formen der Bestattung entwickelt. Das herkömmliche Grab mit Blumenschmuck und Grabstein ist durch vielfältige Alternativen ergänzt worden. Urnenbestattung, Baum-, Wald-, Themengräber oder anonyme Bestattung spiegeln das Bedürfnis wider, auf ganz individuelle Weise das Gedenken an die verstorbenen Angehörigen aufrecht zu erhalten. Und es gibt ganz praktische Überlegungen der Grabgestaltung. Söhne, Töchter und Enkel des oder der Verstorbenen wohnen nicht mehr am Ort ihrer Geburt, können die traditionelle Grabpflege nicht leisten oder wünschen aus anderen Gründen keine aufwendige Grabgestaltung.











Rund 40 Prozent aller Bundesbürger lassen sich mittlerweile nach ihrem Tod in einem Krematorium verbrennen. Etwa die Hälfte dieser Kremierungen mündet in einer anonymen Bestattung auf einem Urnenfeld, auf See oder in einem Friedwald. Interessant sind dabei die regionalen Unterschiede: Während in katholischen Gemeinden in Bayern bis zu 100 Prozent der Bürger die Erdbestattung wählten, wird in ostdeutschen Großstädten bis zu 90 Prozent die Feuerbestattung favorisiert. Durchschnittlich wählen in Deutschland 40% der Angehörigen eine Kremierung. Dem müssen die Friedhofsverwaltungen zunehmend Rechnung tragen. Viele Menschen haben keinen Kontakt zur Kirche gepflegt, lehnen möglicherweise christliche Symbolik ab. Auch für sie muss der Friedhof eine posthume Bleibe bieten. Die Mehrzahl der Flensburger bestatten ihre Toten auf einem der kommunalen Ruhestätten.

Eine Ausnahme bildet der „Kirchhof“ der Kirchengemeinde Adelby.

Ein Platz für die Toten so individuell wie das Leben

An einem grauen, regnerischen  Herbsttag lassen wir uns von Pastor Stadtland, dem Kirchengemeindevorsteher Brodersen und dem Fried- hofsverwalter Lübcke durch den acht Hektar großen Friedhofspark führen. Das Wort „Park“ ist dem vielfältig gestalteten Gelände angemessen. Alte Baumbestände wechseln mit sorgsam angelegten Grabreihen, Skulptureninseln mit über hundert Jahre alten Familiengräbern ab. Die Anlage legt sich um die rund tausend Jahre alte Kirche St. Johannis, eine der ältesten und auch schönsten in Angeln. Denn zu Angeln gehörte das Kirchspiel Adelby, bevor es nach mehreren Eingemeindungsumwegen 1974 Flensburg zugeordnet wurde. Der dörfliche Charakter blieb erhalten, das gilt auch für die Kirche und den sie umgebenden Friedhof, der vermutlich so alt ist wie die Kirche selbst.

Weitere Artikel anzeigen
Lade mehr Aktuelles

Jetzt gleich kommentieren:

avatar
  
smilegrinwinkmrgreenneutraltwistedarrowshockunamusedcooleviloopsrazzrollcryeeklolmadsadexclamationquestionideahmmbegwhewchucklesillyenvyshutmouth
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu:

Auch interessant

Stadtrat Stephan Kleinschmidt – Multitalent und Brückenbauer

Der am 15. März zum Flensburger Stadtrat gewählte Stephan Kleinschmidt ist, wie soll man e…