Existenzgründer, die vor dem Sprung in die berufliche Selbständigkeit stehen, müssen sich neben Fördermittelmöglichkeiten und Businessplan auch Gedanken über die Wahl der richtigen Rechtsform für ihr Unternehmen machen. Die Entscheidung zwischen den Gestaltungsmöglichkeiten hängt dabei nicht nur von steuerlichen Gesichtspunkten ab, sondern auch von den jeweiligen Besonderheiten des Unternehmens und der beteiligten Personen. So setzen einige Gesellschaftsformen grundsätzlich zwingend die Beteiligung von mehreren Personen voraus. Auch der Gründungs- und Kapitalaufwand ist je nach Rechtsform unterschiedlich. Die Wahl einiger Rechtsformen ist zudem davon abhängig, ob eine gewerbliche oder eine freiberufliche Tätigkeit ausgeübt werden soll. Auch die organisatorische Gestaltung der Abläufe und mögliche Anpassungen in der späteren unternehmerischen Praxis unterscheiden sich je nach Rechtsform erheblich. Besonderes Gewicht hat ferner die Frage, ob die an der Unternehmung beteiligten Personen für auflaufende Verbindlichkeiten und sonstige Haftungsrisiken auch persönlich und unbeschränkt mit ihrem Privatvermögen hinhalten müssen. Es sollten überdies ausgewogene Regelungen für den Umgang mit späteren Konflikten unter den Beteiligten gefunden werden. Denn der voreilige Griff nach vorgefertigten Vertragsmustern aus der Schublade oder gar dem Internet und deren ungeprüfte Übernahme können sich aus anwaltlicher Erfahrung heraus später bitter rächen.
Wer alleine an den Start gehen möchte, möglichst wenig Gründungs- und Kapitalaufwand betreiben möchte und auf eine persönliche Haftungsbegrenzung wenig Wert legt, wird sich oftmals für ein Einzelunternehmen entscheiden. Kleingewerbetreibende müssen dabei grundsätzlich lediglich das Gewerbe anmelden. Wer aber ein Handelsgewerbe betreiben möchte, muss zudem seine Firma zur Eintragung in das zuständige Handelsregister anmelden. Hierzu bedarf es notarieller Unterstützung. Die Unterscheidung zwischen Kleingewerbe und kaufmännischem Handelsgewerbe ist dabei danach zu treffen, ob der Geschäftsbetrieb nach Art und Umfang kaufmännische Einrichtungen erfordert. Umfassenderen Schutz vor persönlicher Haftung bieten demgegenüber Kapitalgesellschaften wie die Aktiengesellschaft (AG) und die Gesellschafter mit beschränkter Haftung (GmbH). Bei ihnen ist der Gründungs- und Kapitalaufwand zwar größer und die praktische Handhabung etwas schwieriger. Den Handelnden kommen jedoch nach Durchlaufen des formalen Gründungsverfahrens später im operativen Geschäft erhebliche Haftungserleichterungen zugute. Sofern die Kapitalaufbringungs- und Kapitalerhaltungsvorschriften beachtet werden, müssen die Gesellschafter nämlich für Verbindlichkeiten der Kapitalgesellschaft grundsätzlich nicht mehr mit ihrem Privatvermögen haften. Lediglich die Kapitalgesellschaft selbst haftet ihren Gläubigern mit dem Gesellschaftsvermögen. Auch wenn die Bezeichnung der Kapitalgesellschaften anderes vermuten lässt, können diese Rechtsformen grundsätzlich auch von einer einzelnen Person im Sinne einer Einmanngesellschaft gewählt werden. Wer die etwas schwerfälligere Handhabung einer Kapitalgesellschaft scheut, auf die mit diesen verbundenen Haftungserleichterungen verzichten kann und sich mit mehreren Beteiligten zusammenschließen möchte, kann auf die Rechtsformen der sogenannten Personengesellschaften zurückgreifen. Für Kleingewerbetreibende oder Freiberufler bietet sich dabei in erster Linie die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) an. Daneben kommen für bestimmte Berufsgruppen auch Partnerschaftsgesellschaften mit unterschiedlichem Haftungsregime in Betracht. Sofern die Beteiligten ein Handelsgewerbe betreiben möchten, stehen als Rechtsformen etwa die offene Handelsgesellschaft (OHG) sowie die Kommanditgesellschaft (KG) zur Auswahl. Auch diese müssen unter notarieller Unterstützung zur Eintragung in das Handelsregister angemeldet werden. Einen Haftungsschirm wie bei Kapitalgesellschaften finden die Beteiligten bei diesen Personenhandelsgesellschaften jedoch nicht vor. Zwar können die Kommanditisten bei einer KG ihre Haftung gegenüber den Gesellschaftsgläubigern auf eine im Handelsregister einzutragende Haftsumme begrenzen. Die Komplementäre einer KG sowie die Gesellschafter einer OHG haften den Gesellschaftsgläubigern jedoch ebenfalls unbeschränkt mit ihrem Privatvermögen. Dies lässt sich im Rahmen der Gestaltungsmöglichkeiten lediglich dadurch ausschalten, dass eine Kapitalgesellschaft mit ihrem bestehenden Haftungsschirm für ihre Gesellschafter zum persönlich haftenden Gesellschafter der Personenhandelsgesellschaft gemacht wird. Das Paradebeispiel für diese Gestaltungsform ist die GmbH & Co. KG.

RA Jan MeyerRechtsanwalt Jan Meyer
Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht
Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht
in der Kanzlei kh&s Dr. Kruse, Hansen & Sielaff,
Rechtsanwälte, Fachanwälte, Notare
Stuhrs Allee 35, 24937 Flensburg
Tel. 0461-520770











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