Meyer Marks 1Ein Nachmittag in der Großen Straße. Reges Treiben in der Fußgängerzone. Jugendliche lachen, Besucher schauen in die Auslagen der Geschäfte. In den Cafés entspannter Smalltalk. In Nr. 18 gedämpfte Atmosphäre. Die Gespräche kreisen bei einer Tasse Kaffee um den letzten Urlaub, die gewünschte Haarfarbe und das Styling der Frisur. Wir sind im Friseursalon Meyer&Marks.

„Weil schöne Haare kein Zufall sind“, heißt der Slogan des Franchiseunternehmens unter Leitung von Geschäftsführer Andreas Ingwersen. Das wollen wir uns in den nächsten Stunden ansehen, vor allem aber mit den Auszubildenden sprechen über ihre Vorstellungen vom Beruf, der alltäglichen Wirklichkeit, den Zukunftsperspektiven und den notwendigen Fähigkeiten.











Der Beruf ist durch Klischees belastet. „Wer nichts wird, wird Wirt. Wird auch das ein Malheur, wirst du zum Frisör.“

Insbesondere trifft es Mädchen, die sich für den Beruf der Frisörin, früher Friseuse, entschieden haben. Frisör als letzter Ausweg, wenn die Schulnoten für kaufmännische Berufe nicht ausreichend waren? Für „richtige Kerle“, so das Vorurteil, ist der Friseurberuf ganz und gar tabu. Zumindest das letztere Klischee scheint noch nicht überwunden zu sein. Andreas Ingwersen, seit 20 Jahren in dem Beruf, gesteht ein, dass es zum einen wenige Bewerbungen von Jungen für Ausbildungsplätze gibt, zum anderen die eingestellten Azubis häufig die Ausbildung abbrechen, auch, weil sie falsche Vorstellungen vom Frisörhandwerk haben. Mädchen sind meist besser informiert, haben sich mit Frisuren, Kosmetik und Körperpflege häufiger beschäftigt, von ihren Müttern gelernt und bei ihren Berufsentscheidungen eine realistischere Vorstellung. Und, so Geschäftsführer Ingwersen, sie haben mehr Ausdauer und entscheiden sich nicht zuletzt für den Beruf, weil sie „mit Menschen umgehen wollen“. Das ist eine wesentliche Voraussetzung für die Karriere, unabhängig von den handwerklichen Fähigkeiten, die während der dreijährigen Ausbildung in Betrieb und Berufsschule erworben werden. Folge: Weniger als zehn Prozent der Beschäftigten im Frisörhandwerk sind Männer.

Jaqueline Wegner, Auszubildende im 2. Lehrjahr, berät gerade einen älteren Herren, der eigentlich nur zum Haareschneiden in den Frisörsalon kam. Während des Wartens auf den Frisörmeister beginnt sie geschickt ein Gespräch über seine Kopfhaut, empfiehlt ihm eine Analyse, zeigt ihm Pflegeprodukte, überzeugt ihn zu einer Probeanwendung und zeigt damit auch ihr verkäuferisches Geschick. Unaufdringlich, wie beiläufig wird ‚Upselling‘ betrieben, d. h. dem Kunden einen Mehrwert anbieten, der für das Unternehmen sich auch ökonomisch rechnet. Entscheidend ist die Kundenzufriedenheit. Jeder Frisörbesuch, so wiederum Andreas Ingwersen, ist mehr als nur eine Handwerksleistung. „Man kauft sich in der Hektik des Alltages ein wenig Zeit.“ Das Blättern in einer Illustrierten, die Tasse Kaffee, der Schnack mit dem Personal oder dem Nachbarn, das alles gehört zur Dienstleistung dazu und wird, wenn es genossen wird, auch gerne angemessen entlohnt.

Meyer Marks 2Das älteste Gewerbe der Welt

Entgegen dem Klischee, dürfte nicht das oft zitierte, sondern der Barbier, Vorläufer des heutigen Frisörs, zu einem der ältesten Dienstleistungsgewerbe der Menschen zählen.

3000 v. Chr., also vor über 5000 Jahren, so belegen Funde, gab es professionelle Frisöre in Ägypten. Wie in den hunderten, ja tausenden von Jahren danach, vermutlich eine Männerdomäne. Das glattrasierte Gesicht, oder, wenn Bart, dann sorgfältig gestutzt, die Gesichtshaut mit Öl und Balsam behandelt, galt traditionell als Privileg des gepflegten Mannes. Bis ins vorige Jahrhundert galt der Besuch beim Barbier (abgeleitet vom lateinischen barba, der Bart) als oft tägliches Ritual.

Weitere Artikel anzeigen
Lade mehr Lehrberufe

Jetzt gleich kommentieren:

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
  
smilegrinwinkmrgreenneutraltwistedarrowshockunamusedcooleviloopsrazzrollcryeeklolmadsadexclamationquestionideahmmbegwhewchucklesillyenvyshutmouth
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu:

Auch interessant

Flensburger Köpfe: Dr. Ekkehard Krüger

Viele sehen Widersprüche als Fehler, gebrochene Berufslaufbahnen als Versagen und Sinneswa…