Das Gottesauge wacht über die Brüder

| 31/12/2017

„Aber da kommt man ja gar nicht rein“, meinte eine Mitstreiterin aus den Reihen der Redaktion „Mittendrin – Generation 50 plus“ auf meinen Vorschlag, wir könnten doch einmal das Logenhaus der Freimaurer am Nordergraben 23 vorstellen. So ganz unrecht hatte die Kollegin nicht. Jedenfalls bis vor kurzem, inzwischen öffnet sich die Loge vielen Besuchern, zum Beispiel zu Konzerten – kürzlich fand ein bemerkenswertes Klavierkonzert im frisch renovierten Mozartsaal statt. Im Februar 2018 soll ein weiteres Konzert folgen. Die Freimaurer wurden lange Zeit als eine Art Geheimbund betrachtet. Ihr Leben spielt sich in der Loge ab, in einer Art geschlossener Gesellschaft. Hier arbeiten sie, haben sich der Wahrheit verpflichtet, streben nach Menschenliebe, Selbstkritik und Duldsamkeit. Ihre Arbeitsstätte ist der Tempel im Logenhaus in der Johannisloge (nach Johannes, dem Täufer) „Wilhelm zur Nordischen Treue“. Die Loge ist eine christliche Loge.
Der Name klingt etwas altertümlich. Doch lassen wir unseren Stadtarchivar Broder Schwennsen berichten, was er in „Flexikon“ zu erzählen weiß: „Erste Logengründungen erfolgten in Flensburg 1809 durch Landgraf Carl zu Hessen und 1863 als Johannesloge unter dem Namen „Frederik“, welche auf Betreiben des dänischen Königs Männer dänischer und deutscher Gesinnung aufnahm sowie beide Sprachen zuließ. Nach dem deutsch-dänischen Krieg und der Eingliederung Flensburgs nach Preußen (1867) wurde 1868 die Johannisloge „Wilhelm zur nordischen Treue“ begründet, die bis 1900 auf über 300 Mitglieder anwuchs. Namenspatron war der preußische König und spätere Kaiser Wilhelm I. Ihm zu Ehren schmückte die Loge ihren Festsaal mit seinem Gemälde.“ 1902-1903 ließ die Loge das heutige Logenhaus bauen. Auffällig und von weitem zu sehen ist das Gottesauge im Giebeldreieck: IN DEO SPES – Unsere Hoffnung in Gott. Man möchte meinen, dass die „Brüder“ – so nennen sich die Mitglieder, übrigens nur Männer, auf dem Weg vom Logenhaus über die breite Treppe bis zur Straße hin aufmerksam im Auge behalten werden. Die Loge ist eine christliche Loge. Als offiziellen Ein- und Ausgang benutzen die Besucher den von der Rückseite. Den Nazis war die Freimaurerei derart suspekt, dass sie die Logen 1935 verboten. Das Logenhaus am Nordergraben wurde darum unter anderem als Heimatmuseum genutzt. Erst die britische Militärverwaltung gab es den „Brüdern“ im Juni 1947 zurück. Seitdem dient es wieder der Pflege und Tradierung einer humanistischen Geistesgesinnung, wie Broder Schwennsen es ausdrückt. Und der derzeitige Logenmeister Jan Christiansen nannte das, was ihm die Arbeit in der Loge bedeutet, sinngemäß so: „Wenn ich dienstags aus der Loge nach Hause komme, bin ich stets: Ruhig, gelassen und ausgeglichen.“ Der Prachtbau wird heute als Baukulturdenkmal gewürdigt. Das ist teuer. Um die Bewältigung der vielfältigen Aufgaben, die ein solches Haus mit sich bringt, kümmern sich vier Logen, die das Haus nutzen. Und sie scheuen sich nicht, für die Veranstaltungen einen Obolus zu verlangen. Allein der Blick auf die nächtlich beleuchtete Förde und das Ostufer sind den erbetenen Eintrittspreis schon wert.
Hedda Maue

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