SG Flensburg-Handewitt

| 28/07/2017

An der Seitenlinie steht kein neues Gesicht, seine Befugnisse sind aber andere als zuvor. „Verteilt euch auf die ganze Breite“, ruft Maik Machulla in der Duburghalle. „Rückwärts und dann vorwärts! Sechs Pässe!“ Der bisherige Assistent des abgewanderten Ljubomir Vranjes ist in die Chefrolle aufgerückt, leitet nun die Übungseinheiten der SG Flensburg-Handewitt. „Hier weht ein neuer Wind“, schmunzelt der vorbeischauende Geschäftsführer Dierk Schmäschke. „Dafür sorgen Maik als neuer Trainer, aber auch unsere drei Neuzugänge.“
Der norwegische Linkshänder Magnus Röd und der schwedische Rechtshänder Simon Jeppsson fallen sofort ins Auge. Mit 20 und 22 Jahren sind beide Zwei-Meter-Hünen noch sehr jung, bringen aber viel Talent und den Körperbau eines Rückraumasses mit. Interessant ihre Rückennummern: 77 und 17 – da denken Nostalgiker an Michael Knudsen und Ljubomir Vranjes. Nur wenige Meter weiter tummelt sich der 24-jährige Rechtsaußen Marius Steinhauser. Er hat vor wenigen Wochen noch beim deutschen Meister Rhein-Neckar Löwen gespielt. „Das ist einfach ein tolles Erlebnis“, strahlt der 24-jährige Badener. „So einen Erfolg würde man zu gerne wiederholen.“
Beim Thema „Meisterschaft“ winkt Maik Machulla ab. Allerdings nicht, weil er über den titellosen Ausgang der letzten Serie noch immer verstimmt ist. Vielmehr erbittet er sich eine Schonfrist. „Es ist nicht förderlich, schon jetzt hochtrabende Ziele zu formulieren“, sagt der 40-Jährige. „Jetzt geht es erst einmal darum, dass wir uns als Team finden und die Belastung der Vorbereitung meistern.“ Dann ergänzt er: „Wir werden gewiss wieder eine erfolgreiche Saison bestreiten, denn dafür werden wir viel investieren.“ Und sind psychologische Altlasten aus der letzten Serie zu spüren? Trauert der eine oder andere Akteur womöglich noch immer den verpassten Titelchancen des Frühjahrs nach? Kapitän Tobias Karlsson: „Jeder von uns hat ein paar Wochen Abstand gebraucht, um alles zu verarbeiten. Da steckte so viel Arbeit und Hoffnungen drin.“
Maik Machulla wird ein paar Dinge anders machen als sein Vorgänger. Kurz vor dem Startschuss überraschte er die Mannschaft mit einer Theorie-Einheit. Ein Punkt: Änderungen im Athletik-Training. Dazu sollen auch die Ergebnisse einer umfangreichen Leistungsdiagnostik herangezogen werden. „Wir wollen die Übungseinheiten individueller gestalten“, erklärt der Coach. „Ein Kreisläufer hat ein anderes Anforderungsprofil als ein Linksaußen.“ Zur Stärkung dieses Bereichs wurde der Stab um Athletik-Trainer Michael Döring erweitert. Die SG plant für diese Saison mit einem 16er Kader. Die Hinrunde ausfallen wird Torwart Kevin Möller (Adduktoren). Für ihn wurde Rasmus Lind als Sechs-Monats-Vertretung verpflichtet. Der 34-jährige Däne wollte eigentlich seine Karriere beenden, nun reizte aber der europäische Top-Klub. Rückraumass Holger Glandorf (Daumenbruch) nähert sich seinem alten Leistungsniveau, soll aber noch Zweikämpfe meiden. Deshalb wird der neue Co-Trainer Mark Bult in der Vorbereitung auf dem Spielfeld aushelfen. „Hoffentlich kommt Holger schnell zurück.“
Ende Juli weilte der SG-Clan im Trainingslager. Wie immer in Schweden. „Dort haben wir optimale Bedingungen“, rüttelte Maik Machulla nicht an der Tradition. Allerdings wählte er Kristianstad als festen Standort, verzichtete so auf einige Busreisen – es ging nicht in den Raum Göteborg – und verkürzte den Aufenthalt um einige Tage: Eine Teambuilding-Maßnahme, zu der auch die Spielerfrauen eingeladen wurden, fand nach der Rückkehr statt.
In der Region sind einige Tests terminiert. Am 1. August trifft die SG um 19 Uhr in Neumünster auf den THW Kiel. Drei Tage später kommt es im Rahmen des Jacob Cement Cups zu einem Wiedersehen mit Anders Eggert, der bei der 16. Auflage des Traditionsturniers für den dänischen Vize-Meister Skjern Handbold auflaufen wird. Anpfiff ist um 19 Uhr. Am 9. August misst sich die SG um 18.30 Uhr mit dem IK Sävehof, dem neuen Klub von Johan Jakobsson. Spielort ist Leck. Am 12. und 13. August gibt es beim VfL Gummersbach ein hochkarätiges Handballturnier. Die SG spielt zunächst gegen den Gastgeber, am zweiten Tag entweder gegen die Rhein-Neckar Löwen oder Vardar Skopje.
Bereits am 19. und 20. August kündigen sich mit dem DHB-Pokal die ersten Pflichtaufgaben der neuen Saison an. Der erste Gegner heißt: VfL Schwartau-Lübeck. Am 27. August um 12.30 Uhr hebt sich erstmals der Bundesliga-Vorhang in der Flens-Arena. Der TuS N-Lübbecke ist der Auftaktgegner. Die ungewöhnliche Anwurfzeit resultiert aus dem neuen Fernseh-Vertrag, der ein nahezu komplettes Übertragungsprogramm im Pay-TV-Sender „Sky“ vorsieht. Ein „Spiel der Woche“ wird sonntags erst um 15 Uhr angepfiffen. So auch am 3. September, wenn sich die SG und die Rhein-Neckar Löwen duellieren.
Ab Mitte September gesellt sich zum Bundesliga-Spielplan die Champions League. Die SG findet sich in einer verdammt starken Gruppe B wieder. Gegner sind Telekom Veszprém (mit Ljubomir Vranjes), KS Vive Tauron Kielce, Paris Saint-Germain HB, Aalborg Handbold, HC Brest Meshkov, der RK Celje und der THW Kiel. Dierk Schmäschke wohnte der Auslosungszeremonie in Slowenien bei. „Hochklassig und hochspannend – das ist wieder eine Granaten-Gruppe“, staunte er. „Zu jedem dieser Kontrahenten lässt sich eine besondere Geschichte aus Sicht unseres Vereins erzählen.“
Text und Fotos: Jan Kirschner

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