Was von Flensburgs Stadtmauer übrig blieb

| 31/03/2017

1284 ist die Stadt Flensburg gegründet worden. Von Verteidigungslinien scheint aber zunächst keine Rede gewesen zu sein. Die Keimzelle Flensburgs lag in Angeln,  in gehörigem Abstand von der Förde.

Die erste Siedlung Adelby ist um 1120 entstanden. Nachdem dort die Menschen keine Angst mehr vor eventuellen Überfällen haben mussten, trauten sie sich auch, direkt an der Förde zu siedeln – der Stadtteil St. Johannis wurde damals gegründet.

Hier kommt Ritter Fleno ins Spiel. Von ihm wird berichtet, dass er von seinem Landesherrn den Befehl bekam, nach Flensburg zu ziehen, eine Burg zu  bauen und der kleinen Siedlung bei der Verteidigung zu helfen.

Eine schöne Geschichte, historisch aber nicht zu beweisen. Zwar stand in der näheren Umgebung damals mal  eine Burg, die aber wurde schon im 13. Jahrhundert zerstört.

Nachgewiesen ist aber, dass König Waldemar I. um 1150 zur Abwehr der kriegerischen Wenden eine Seesperre errichtete, einen Schutzwall aus Pfählen. Die lagen unterhalb der Wasseroberfläche und sollten angreifende Schiffe zurückhalten.

1370 reihte sich das Kirchspiel St. Marien in die Siedlung ein, danach das Kirchspiel St. Nikolai. Aus dieser Zeit berichtet eine weitere Sage. Sie handelt von fünf Raubrittern und ihren Burgen.

Nach dem Stadtrecht kommt die Stadtmauer

Seit dem 14. Jahrhundert, nachdem Flensburg seine Stadtrechte verliehen worden waren, wurden die Siedlungen von Norder- und Südermarkt 1348 mit einer Stadtmauer sowie Türmen und Toren gebaut. Die Stadtmauer umschloss die Kirchspiele St. Marien, St. Nikolai, das Rathaus mit dem Thingplatz und die Heilig-Geist-Kirche mit dem Hospital.

Lediglich  an einigen wenigen Stellen war sie offen. Für die Kontrollen sorgten vier Pforten und elf Tore. Die meisten von ihnen sind bis heute bekannt. Erhalten sind allerdings nur zwei: Das Nordertor und das Kompagnietor. In ihren Ausmaßen war die Stadtmauer eher beschränkt. Sie sollte vor allem „lichtscheues Gesindel“ (Beiheft zum Flensburg-Atlas, Flensburg 1986) von der Stadt fernhalten. Tatsächlich wurde die Stadt trotz der Befestigungsanlagen mehrfach erobert,  1358 von Waldemar Atterdag und 1406 von Margarethe I.

1412 versuchte Erich Krummendiek (Besitzer des Guts Rundhof) der Schleswiger Drost – das war ein Amtshauptmann, heute in etwa einem Landrat gleichgestellt – die Stadt zu erobern, die Duburg fiel ihm allerdings nicht in die Hände.

Das schaffte 1431 nur Herzog Adolf VIII.

Für die Epoche des städtischen Schutzwalls bedeutete die Veränderung der geringeren Gewichtung der Stadtmauer, ihr Stellenwert war nur noch niedrig, die Mauer verfiel zusehends, schließlich wurde sie abgebrochen.

Als um 1590 der Stadtteil St. Johannis auf Klostergrund vor dem Johannistor St. Jürgen gebildet hatte, gab`s dort keine schützende Stadtmauer mehr. 1684 wurde sie am Nikolaikirchhof noch einmal repariert – darauf weist dort eine Steinplatte mit der Jahreszahl hin.

Davor freilich wurde die gesamte Stadtmauer tatsächlich und total abgerissen. Klägliche Reste finden sich noch bei der Nikolaikirche, im Garten des Geigenbaumeisters Antonio Menzel auf dem Nikolaikirchhof, sowie als Mauerrest am Kloster unter dem Glasdach bei der Roten Straße.

Hedda Maue 

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