Mach nie einen Gang mit leeren Händen

| 31/03/2017

ein Spruch, der von Müttern und Großmüttern ihren Mädchen im Backfischalter immer und immer wieder über Generationen hinweg vorgebetet wurde. Das galt auch noch, als ich so etwa 13 Jahre alt, also „Backfisch“ war – „Teenager“ gab es damals noch nicht.

Und das hieß konkret: „Wenn Du gleich Kartoffeln aus dem Keller holst, nimm die leeren Weck-Gläser mit runter und stell sie ins Regal; bring auch gleich von den eingeweckten Bohnen zwei Gläser mit rauf.“

Im Frühsommer, Erdbeerernte:

„Hier sind drei Körbe, bring sie Vater in den Garten für die Erdbeeren, wir wollen nachher gleich Marmelade kochen. Schmier ihm eben noch zwei Schmalzbrote und nimm sie ihm mit. Er vergisst doch immer die Zeit. Bring auch noch ein Bund Möhren und Kohlrabi mit rauf.“ „Heute Nachmittag musst Du in die Marienstraße Milch holen. Die Kannen stehen in der Küche. Hier sind zwei Blusen, die kannst Du auf dem Hinweg bei der Schneiderin am Stadtpark abgeben – sie weiß schon Bescheid.

Und trödel nicht so lange…“ Klingt ja alles ganz schlimm, war es aber nicht. Schließlich musste alles bei jedem Wetter zu Fuß erledigt werden und das setzte schon einiges an Organisationstalent für die Alltagsplanung voraus.

Zu Fuß ging es sowohl zum Bahnhof – mit Koffer etwa 45 Minuten – natürlich zur Schule, zum Einkaufen und zur Arbeit. An Bewegung in der frischen Luft war also kein Mangel. Jetzt etliche Jahrzehnte später nennt man dieses Vielfalt-Tun „Multi-Tasking“.

Darin übe ich mich täglich und gerate mit schmerzlicher Erkenntnis immer wieder an meine Grenzen. Allein das Tischdecken für das Frühstück: Brettchen mit Butterbehälter und Messer drauf – linke Hand, Wasserglas und Tabletten rechts – mit dem Ellenbogen Türklinke runter und schubsen.

Das Messer kullert runter – aufheben. So, die erste Rate wäre geschafft! Nun Brötchen, Honig, Marmelade für den zweiten Weg in die linke Hand, Kaffeebecher rechts, Zeitung unter den Arm geklemmt. Allerdings ist da eine minimale Erhebung in einer Fliese im Weg… sie genügt, bei meinem leicht schlurfenden Gang, um mich ins Wanken zu bringen. Prompt schwappt der Kaffee über den Becherrand. Die Pfütze auf dem Boden – zum Glück nicht auf dem Teppich! – muss aufgewischt werden. Also: Alles abstellen, Feudel holen usw..

So richtig viel Zeit- und Arbeitsersparnis ergab das ja wohl nicht, mein Multi-Tasking. Vielleicht wäre ein Tablett eine Option, aber dann sähe ich die Gehfläche vor mir nicht und wie sollte ich die Tür öffnen?

Bleibt nur, Multi-Tasking zu unterlassen und öfter gehen. Schließlich heißt es ja auch „Jeder Gang macht schlank!“

Ingeborg Asmußen-Müller 

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