Faszinierendes Faszientraining

| 31/03/2017

„Bäume ausreißen. Jung fühlen. Sexy sein.“ Mit diesem Wahlspruch wirbt Physio Aktiv in Hürup für ein 5-Wochen-Faszientraining zum Reinschnuppern. Dieses Programm der Kampagne „Deutschland wird beweglich“ hat unsere Autorin Lisa Dauth getestet. Was sie dabei erlebt und empfunden hat, hat sie in einem Tagebuch festgehalten.

 

Vor dem Training

Die Redaktion hat mich ausgewählt, das Training im Physio Aktiv in Hürup auszuprobieren. Zu den Fakten: Ich bin 24 Jahre alt und mache regelmäßig Sport. Da ich beruflich viel am Schreibtisch sitze, habe ich oft Nackenschmerzen.

Laut den Werbeflyern des Faszientrainings kommt das daher, dass ich wie viele andere Leute meinen Körper nicht so benutze, wie er gedacht ist. Die einseitigen Bewegungen im Alltag verkürzen die Muskelketten und falsche Haltungen über längere Zeit lassen den Körper schief werden. Um dem entgegenzuarbeiten, kann man gezielt die Faszien trainieren, deren Bedeutung erst kürzlich wissenschaftlich entdeckt wurde.

Das Bindegewebe hält den Körper wie ein Netz zusammen, ohne das er in Einzelteile fallen würde. Wenn dieses Netz elastisch ist, ist man beweglicher und verletzt sich nicht so schnell an Sehnen und Bändern. Darum trainieren immer mehr Sportler gezielt ihre Faszienbeweglichkeit, ergänzend zu ihrem normalen Sportprogramm.

Ausgeleiertes

Gummiband

Ein durch Stress ausgeschüttetes Hormon führt dazu, dass sich die Faszien anspannen – auch wenn die Muskeln entspannt sind. Hält der Stress an, überlastet das die Faszien. Wie ein Gummiband, das zu lange auf Spannung ist, verlieren sie ihre Flexibilität und verhärten sich. Das führt zu Schmerzen. Bei vielen Älteren sind die Faszien verklebt, weshalb sie weniger beweglich sind.

Faszien kann man sich wie Energiespeicher vorstellen. Sind diese stark, leiten sie die Energie mit wenig Aufwand weiter. Das nutzen
z. B. Gazellen für ihre weiten, grazilen Sprünge. Laut Untersuchungen sind Faszien zu rund 70 Prozent für die Kraftentfaltung zuständig, während Muskeln nur 30 Prozent beitragen. Ein Grund mehr, nicht nur Muskel-
aufbau zu betreiben!

Ob das wirklich funktioniert, werde ich fünf Wochen lang ausprobieren und zweimal wöchentlich das Physio Aktiv besuchen. Ich bin nervös, weil ich nicht weiß, was auf mich zukommt. Beim ersten Mal werden Tests gemacht … Was dabei wohl herauskommt?

Woche 1, Training 1

Britta Andresen, eine Leiterin des Physio Aktiv, begrüßt mich und erklärt mir, dass es bei ihnen um Körperpflege geht: So wie man jeden Tag Zähne putzt, sollte man auch den Rest des Körpers beachten. „Das muss nicht immer Spaß machen, ist aber wichtig und gehört dazu.“ Sie wollen Menschen helfen, ihren Körper so zu stärken, dass sie das tun können, was sie gerne wollen. Wenn ein schmerzender Körperteil jemanden an seinem Lieblingssport hindert, bauen sie ihn schrittweise wieder auf, damit derjenige nicht auf sein Hobby verzichten muss. Und wer beruflich viel vornübergebeugt hantiert, dem helfen sie mit gezielten Übungen zu einem gesunden Ausgleich.

Mit Trainerin Claudia Funke bespreche ich meine Situation: Welche Körperbereiche tun weh? Hatte ich Verletzungen, die beachtet werden müssen? Wie war meine bisherige sportliche Laufbahn? Gemeinsam wählen wir für mich die Programme „Back & Neck“, für Menschen mit Rücken- und Nackenproblemen, sowie „Body & Tone“ für eine straffere Figur.

Die Tests

Anschließend testen wir meinen Bewegungsspielraum. Dazu strecke ich meine Hände den Füßen entgegen, schwinge mein Bein in die Luft und beuge mich nach hinten, bis ich fast umfalle. Hinterm Rücken bekomme ich meine Arme – einer von oben und einer von unten – so weit zusammen, dass sie sich berühren. Das ist scheinbar etwas Besonderes und ich freue mich über das ungeahnte Talent. Um mein Schmerzempfinden zu benennen, schiebe ich meinen Oberschenkel seitlich über eine Faszienrolle aus festem Schaumstoff. Das zwickt mehr, als ich dachte. Wenn ich das häufiger mache, werden sich die Verspannungen lösen und das Gewebe straffen.

Auf drei Räume verteilt sich das Angebot, das ich selbstständig nutzen kann. Es gefällt mir, dass es kleiner und persönlicher ist als in großen Sportstudios. Claudia führt mich herum und weist mich in die Übungen ein. Überall geht es um federnde Bewegungen, die auf die Gesundheit achten und den Körper nicht überfordern. Im milon-Zirkel stehen acht Geräte für Kraft und Ausdauer im Kreis um eine Säule herum, die den Ablauf regelt: Eine Minute lang blubbert in ihr das Wasser. Währenddessen wiederholt man seine Übung zwischen 18 und 20 Mal. Hört das Blubbern auf, wechseln alle Sportler ihr Gerät. Dadurch ergibt sich ein Fluss und man muss nicht ständig warten, bis ein anderer Platz macht. Nur die Ausdauergeräte nutzt man vier Minuten lang. Insgesamt arbeitet man sich zweimal durch den Zirkel.

Perfekt angepasst

Claudia stellt alle Geräte auf meine Größe und Kraft ein, die auf einer Chipkarte gespeichert werden. Das ist praktisch, weil das Einstellen während des Trainings zu viel Zeit kosten würde. Außerdem weiß ich so, dass es auf meinen Körper zugeschnitten ist. Nach und nach werde ich mich steigern, sagt Claudia. Mal sehen, ob das klappt. Das Ganze dauert zirka 35 Minuten und soll dabei effektiv sein und die Stoffwechsel anregen, sodass der Körper auch die folgenden Tage etwas davon hat.

Im five-Parkour trainiere ich meine Beweglich- und Dehnbarkeit. Bei vielen Geräten muss ich mich nach hinten strecken, was ungewohnt ist. Five, also fünf, heißt das Konzept, weil man an den Geräten die geforderte Position fünf Atemzüge lang halten muss. Dabei zittern die angespannten Muskeln – Kraftsport eben. Claudia notiert auf einem Übersichtsplan, welche Höhen und Abstände an den jeweiligen Stationen zu meinen Körpermaßen passen. Mit diesem Plan werde ich später alleine durch den Parkour gehen, ebenfalls zwei Runden. Im dritten Raum finden Kurse statt: Für den Rücken, mit Faszienrollen, … aber für heute reicht es, denn die Tests und das Einstellen waren anstrengend genug.

Woche 1, am Tag nach dem Start

Das erste Training hat mich so (über-)motiviert, dass ich seit Langem wieder eine große Joggingrunde gedreht habe. Dabei habe ich es leider übertrieben. Ich werde in den nächsten Tagen meine Beine schonen müssen.

Woche 1, Wochenende

Nur weil meine Beine wehtun, muss ich nicht auf Sport verzichten. Dann mache ich eben Liegestütze. Diese positive Einstellung kommt sicher von dem Sportprogramm …

Woche 2, Training 1

Vom Wochenende merke ich noch die Liegestütze im Oberarm. Vor dem Training frage ich eine Trainerin, ob ich das beachten muss. Sie geht mit mir durch den milon-Zirkel und stellt die Gewichte an den Geräten runter, die den Arm belasten. Echt toll, dass ich dadurch trotzdem trainieren kann. Zu Hause hätte ich es sicherlich gelassen. Aber hier fühle ich mich gut betreut. Abwechselnd drücke, ziehe und stemme ich Gewichte mit den Armen, Beinen, Bauch und Rücken. Auf dem „Rückweg“ schiebt die Maschine ebenfalls, sodass ich die Muskeln durchgehend anspannen muss. Für Ausdauer sorgen das Fitnessfahrrad und ein Laufgerät, bei dem man auch die Arme mitnimmt. Die erste Runde geht ganz leicht, aber wie angekündigt schafft mich die zweite Runde. Als ich am Ende auf dem Fahrrad sitze, bin ich extrem froh, als die vier Minuten vorbei sind. Und das, obwohl ich zwischendurch die Wattzahl runtergestellt habe.

Zitterpartie

Im five-Parkour muss ich noch ein paar Mal nachfragen, wie die Übungen korrekt ausgeführt werden. Eine Trainerin begleitet mich bei der ersten Runde und zeigt mir, wie ich meinen Körper in die Position bringe, in der er zu zittern anfängt. Dann ist es genau richtig. Ich habe jetzt schon das Gefühl, gelenkiger zu sein. Wenn ich mich vorne überbeuge, kann ich die Handflächen fast auf dem Boden ablegen! Das konnte ich bis letzte Woche nicht. Und es wird noch viel mehr passieren, wenn die Trainerin Recht hat. Sie prophezeit, dass ich aufrechter gehen werde, weil der five-Parkour genau das unterstützt.

Zwischen den Stationen unterhalte ich mich mit zwei älteren Leuten. Wir lachen gemeinsam darüber, dass wir so ins Zittern kommen, dass uns die Luft wegbleibt. Das ist eher unpraktisch, weil die Übung erst dann endet, wenn wir fünf Atemzüge lang die Position gehalten haben …

Entspannen im

Salzraum

Ein paar Häuser weiter befindet sich das zweite Gebäude von Physio Aktiv. Neben Therapieräumen gibt es einen Salzraum, den ich nach dem Sport teste. Ein Saunaofen bringt die Temperatur auf 40 Grad, sodass ich mit kurzer Kleidung und barfuß hineingehe. Das Zimmer ist mit grobkörnigem Salz ausgelegt, das sich im Gegensatz zur warmen Luft kalt anfühlt – ein angenehmer Kontrast. Auf einem der Liegestühle lasse ich mich nieder und lege die Beine auf einer alten Weinkiste hoch. Zwischendurch spiele ich mit den Zehen im Salz. Das hat Massage-Charakter.

Der Raum ist maritim dekoriert und die Wände sind grob verputzt, alles ist mit Salzstaub überzogen. Das gedimmte Licht wird für mich höher gedreht, damit ich Tagebuch schreiben und lesen kann. Aus einem Lautsprecher kommen Wellenrauschen und Möwenschreie. Diese Atmosphäre ist eine Belohnung nach dem Sport. Aber nicht nur der Seele, sondern besonders meinem Körper tut der Aufenthalt gut: Alle paar Minuten bläst eine Pumpe fein geriebenes Himalaya-Salz in die trockene Luft. Die enthaltenen Mineralien stärken das Immunsystem und wirken sich heilend auf Lungen- und Hautprobleme aus. Wer regelmäßig diese Luft inhaliert, beugt Erkältungen vor und tut etwas gegen Stressempfinden.

Zunächst irritiert mich das Brummen aus dem Schacht mit der Salzpumpe, die wie ein Föhn klingt. Doch ich konzentriere mich auf die rauschenden Wassergeräusche, atme ruhig und blende alles andere aus. Nach 40 Minuten ist die Behandlung beendet und ich schüttle das Salz von meiner Kleidung. Das werde ich wieder machen!

Zwischenfazit

Das Sportprogramm tut mir extrem gut. Inzwischen freue ich mich sogar darauf, zweimal pro Woche nach Hürup zu fahren. Das Miteinander ist angenehm und ich nehme viel für mich mit.

Wie es mir mit dem Rest des Trainings ergeht, können Sie in der Mai-Ausgabe lesen.

Text: Lisa Dauth, 

Fotos Benjamin Nolte 

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