Ein besonderer Club im Wandel der Zeit

| 25/11/2016

Kennen Sie eigentlich Flensburgs ältesten Club? Und wissen Sie gar, wofür dieser Club steht? Nun, falls dies nicht der Fall sein sollte: Wir stellen Ihnen diesen auf diesen Seiten einmal vor.

Die Gründung

Vor 150 Jahren trafen sich in regelmäßigen Abständen die Kaufleute und Hausbesitzer aus dem St. Johannis Kirchenkreis, um das Geschäftsleben und die Wirtschaftslage zu besprechen. Der Treffpunkt war „Thomsen`s Gasthof“, der spätere „Schwarzer Walfisch“. Eines Tages beschlossen diese Herren, aus dieser Runde einen Club zu gründen, der die Geselligkeit förderte. So entstand am 6. Dezember 1866 der St. Johannis Klub (Klub noch mit K geschrieben). 21 Herren gehörten ihm an und, geleitet durch den 1. Direktor I. P. Schmook, ein Kaufmann, und den Vizedirektor, den Schlachtermeister H. H. Tiede, wurde der Grundstein einer langen Tradition gelegt.
Der Club entwickelt sich

In den Kreis der Johanniter konnte man nur aufgenommen werden, wenn man in der Johannis-Gemeinde geboren war. Die Aufnahme wurde vorerst auf 80, später auf 100 Personen, beschränkt, und galt nur für männliche Mitglieder. Hintergrund der Beschränkung war, dass es sonst schwer würde, Räumlichkeiten in jeder Größenordnung zu finden – Säle für bis zu 100 Personen gab es damals in Flensburg. Der Antragsteller musste mindestens zwei Bürgen haben, musste volljährig und unbescholten sein und, durfte „keinen staatsfeindlichen Tendenzen huldigen“. In einer Mitgliederversammlung wurde entschieden, ob der Antragsteller würdig war, aufgenommen zu werden; entschieden wurde durch das Balletieren (weiße und schwarze Kugeln). Jeder musste seine Zustimmung (weiß) oder Ablehnung (schwarz) geheim in eine Kiste ablegen. Bei einer ¾ Mehrheit an weißen Kugeln wurde die Mitgliedschaft bestätigt, und der Kandidat in der nächsten Versammlung eingeführt. Neuzugänge mussten manches Mal ein Jahr warten, bis sie an einem Fest teilnehmen durften. Die Mitgliederzahl wuchs um das Jahr 1900 herum auf 200 Mitglieder, der Vorstand und Festausschuss bestand jetzt aus 17 Personen.
Der Höhepunkt der Mitgliederzahl wurde 1926 mit 490 aufgezeichnet. Eine Geduld von 2 Jahren sollte schon mitgebracht werden, um eintreten zu können. Das Einführen der „Neuen“ auf den Festen musste damals gesperrt werden, wegen Platzmangels bei so vielen Kandidaten. Der St. Johannis Club erreichte eine feste Größe in Geselligkeit und Unterhaltung und war in Flensburg seinerzeit ein feste Größe in der Gesellschaft.

Im Wandel der Zeit

Gegründet im Dezember 1866, hat dieser Club so manches gesehen und erlebt. Nicht nur intern gab es teilweise unruhige Zeiten, auch die Welt spielte verrückt. Als Herrenverein gegründet mit einem kleinen Vorstand, schwoll der Verein von 21 auf 490 Mitglieder an. In der Neuzeit konnte dieses Niveau jedoch nicht gehalten werden. Insbesondere die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, mit zwei Weltkriegen, der industriellen Revolution sowie zahlreichen gesellschaftlichen Veränderungen trug ihr Übriges zu dieser Entwicklung dazu, doch auch die Zeit nach 1950 ließ die Gesellschaft sich rasant verändern. Heute im Jahr 2016, mit rund 175 zahlenden Mitgliedschaften, sind die Verantwortlichen des Clubs dennoch zufrieden. Zugelassene Partnerschaftseintritte sind der modernen Zeit geschuldet, denn seit 1999 sind auch die Damen mit von der Partie. Einige Herren mussten sich erst mit der neuen Situation anfreunden, denn seit der Gründung war dies nicht möglich. Die Statuten wurden umgeschrieben, beschlossen in der Jahreshauptversammlung im Januar 1999. Der St. Johannis Club ist kein eingetragener Verein (e. V.), und hat es somit mit dem Schaffen und Umsetzen von Satzungsänderungen etwas leichter. Ab obigem Datum haben die Frauen ein Mitspracherecht, können allein oder mit ihren Partnern eintreten und sich wählen lassen. Die erste Frau, die dieses wahrnahm, ist später auch in den Vorstand gewählt worden. Die Zeit der notwendigen zwei Bürgen und auch das Balletieren sind lange vorbei.

Der St. Johannis Club feiert

Begonnen im Schwarzen Walfisch, ging es weiter zum „Angler Hof“. Die monatlichen Versammlungen erfolgten weiter in den bekannten Räumen, doch zum Feiern wich man aus, in das „Sanssouci“ (heute die Freimaurerloge). Das erste große Stiftungsfest fand damals in neuen Räumen statt. Unter Einzug der Gäste mit einem Marsch (keiner kam vorher in den festlich und nach einem Thema gestalteten Raum), wurde ein kleines Konzert gegeben. Ein Prolog eröffnete das Fest, gelesen von einer unverheirateten jungen Dame. Gesangsdarbietungen, Tanzvorführungen und Reden folgten. Ein Festessen wurde gereicht, das in seine Zeit passte. Der Eintrittspreis von 1,50 bis 2,00 Mark beinhaltete sogar ein Glas Wein.
Doch auch das Sanssouci musste weichen und der Club zog in die „Harmonie“ in der Toosbüystraße. Jetzt gab es endlich den gewünschten Platz, und folgerichtig auch größere Feste. Nicht nur die Bühne wurde geschmückt, sondern der ganze Saal war eine eigene Kreation der Fantasie: Ein Schiff sollte es sein – die Johanniter bekamen das Gefühl auf der Titanic zu feiern, mit Mannschaft, Kapitän, Musik und Essen. Ein anderes Mal wurde als Motto ein Marktplatz hergerichtet, mit einem großen Brunnen (der auch funktioniert hat), und einer Stadt aus Pappmaschee als Kulisse. Selbst vor einem Fuder Strandsand wurde bei anderer Gelegenheit nicht haltgemacht, mit Badenixen und Strandkörben, als das Thema „Sommerfrische“ anstand. Um ein zünftiges Motto war man meistens nicht verlegen.

Die Hoch-Zeit des
St. Johannis Clubs

Die größten Feste gab es allerdings im „Deutschen Haus“, zu dem später – in den 70er Jahren des vorherigen Jahrhunderts – gewechselt wurde. In diesen Räumen erlebte der St. Johannis Club seine Hoch-Zeit. Karneval!! In allen Räumen wurde gefeiert, die „Alten“ im großen Saal und die Jugend im blauen Saal. Die Flure mit den speziellen Bommi-Sekt–oder Bierbar`s und belegt mit der Tombola. Zwei Tage lang schallte das „Flensburg Ahoi“ durch die Gänge. Spektakulär waren die Kinderfeste. Mit Kapelle und Blütenbogen wurde ein großer Umzug durch die Stadt veranstaltet. 200 (!) Kinder der Johanniter zogen durch die Straßen, der Umzug endete auf einem Schulhof mit spielerischen Wettkämpfen, Kaffee und Kuchen und natürlich mit viel Musik. Die Angebote zur Unterhaltung in geselliger Runde zu einem kostengünstigen Preis haben sich bis in die heutige Zeit gehalten. Der Skat, die Mutter des Clubs, findet immer noch regelmäßig in der Gaststätte St. Knudsborg statt, und zweimal im Jahr wird dort zu einem Preisskat eingeladen.
Die Feste, die gefeiert werden, haben auch die Zeiten vor, während und nach den Kriegen, Inflation und Wirtschaftskrisen überlebt. Der Tanz in den Mai, Herrentour zu Himmelfahrt (früher sogar mit einer eigenen Musikkapelle), ein Abendspaziergang mit anschließendem Tanz, das Herbstfest und natürlich das Grünkohlessen im weihnachtlichen Rahmen, haben ihren Bestand. Ein Stiftungsfest wird in den Jubiläumsjahren angeboten, so wie in diesem Jahr mit 150 Jahren.
Zwischendurch kommen Besichtigungen von Museen und Betrieben, Kegel- und Bastelabende, sowie Theaterbesuche und die monatlichen Mitgliedertreffs, immer noch am letzten Dienstag im Monat, jetzt im „Borgerforeningen“, nicht zu kurz. Hier wird im Rahmen einer Versammlung anschließend ein Vortrag gehalten, über Reisen, Gesundheit, Recht oder Umwelt und Natur. Der Vorstand versucht regelmäßig, alle Veranstaltungen interessant und fröhlich zu gestalten.
Auch an andere, die es nicht so gut getroffen hat, wird gedacht. Von Anfang an wurden Spenden zusammengetragen und verteilt. Ob es für obdachlose Kinder während des 1. Weltkrieges war, oder mit einer Sterbekasse von 25 Pfennig pro Monat von den 490 Mitgliedern im Jahr 1926, stets konnte Hilfe angeboten und geleistet werden. In der Neuzeit werden Basare veranstaltet, deren Erlös an das Hospiz geht, und auch in diesem Jahr überreichen wir wieder einmal ein volles Schiffchen an die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger.

Zur Chronik

Die ersten Aufzeichnungen konnten noch in einem Buch zusammengehalten werden. Doch im Laufe der Zeit musste ein Karteikasten angelegt werden. Heute hat man für diese Arbeit zum Glück einen Computer. Die aktuellen Mitglieder stammen nicht mehr allein aus dem Kirchspiel St. Johannis, sondern auch aus Harrislee, Jarplund, Weiche, weiteren Orten der näherer Umgebung, und sogar aus Bad König im Schwarzwald.
„Der Computer ist uns ein unentbehrlicher Helfer geworden“, weiß Silke Lorenzen zu berichten, „der uns in der Statistik und Mitgliederführung hilft und auch dem Vorstand, der aktuell aus neun Personen besteht, von Nutzen ist. Damit sind wir in der Zukunft angekommen. Der Verein wird getragen von seinen Mitgliedern, von Männern und von Frauen.“ Der Vorstand hält die Waage zwischen den Geschlechtern, und den aktuellen Vorsitz hat vor drei Jahren Silke Lorenzen übernommen.
Zum Abschluss die Wünsche der Vorsitzenden für die Zukunft des Clubs: „Unser Wunsch und unsere Hoffnung für die Zukunft des St. Johannis Clubs sind: Mögen sich immer Menschen finden, die bereit sind für die Gemeinschaft zu arbeiten um den Club lebendig zu halten, wie Generationen vor ihnen.“
Der St. Johannis Club ist es wert!
Peter Feuerschütz

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