‚E‘ wie Holtegel

| 25/11/2016

Wer im Flensburger Branchenverzeichnis blättert oder im Internet unter ‚Elektro‘, ‚Elektrohandel‘, ‚Elektrogeräte‘ oder ‚Elektroservice‘ sucht, der wird ‚Holtegel‘ finden.
Begonnen hat Werner Holtegel, der Gründer, 1956 in der Gartenstraße mit einem kleinen Elektromaschinenbau. Zehn Jahre nach Kriegsende versprachen Bundeswehr, wieder erstarkte Industriebetriebe, aber auch Privatkunden ein gutes Geschäft für „alles, was einen Stecker hat“. Noch am alten Standort übernahm der Gründer den Kundendienst für eine damals dominierende Marke bei den ‚Weißwaren‘, Constructa. Der Hersteller galt als Erfinder des Waschvollautomaten. Keine Hausfrau und kein Hausmann, der die Geräte nicht kannte, die weißen Kästen mit dem Bullauge. Als Kinder saßen wir vor dem Wisch-Wasch-Erlebnis wie vor einem Fernseher. 1961 war von ‚Constructa‘ nur der Name geblieben, der Besitzer hieß jetzt Siemens, heute heißt er Bosch-Siemens-Hausgeräte GmbH.
Namenswechsel bei der Firmierung waren auch bei Holtegel angesagt. Der Gründername jedoch blieb bis heute erhalten.

Stillstand ist Rückschritt

Das Motto galt auch in den 60er Jahren. Folgerichtig expandierte das Unternehmen, auch räumlich. Der neue Firmensitz in der Eckernförder Landstraße 71 hat bis heute Bestand. Die Beschilderung, das wird dem Flensburger aufgefallen sein, hat sich im Laufe der Jahre verändert. „Kärcher Center“ war da zu lesen, aktuell „Euronics“, aber immer mit dem unverwechselbaren Zusatz Holtegel.
Geschäftsführer und Nachfolger des Firmengründers, Helmut Wolter, hat die Metapher „Stillstand ist Rückschritt“ umgekehrt. „Bewegung ist Fortschritt“. Leicht gesagt, aber im Zeitalter der Großmärkte und des Internets ein nicht einfach zu verwirklichendes Motto.
Bekannt geworden ist Holtegel, zumindest für den Endverbraucher, durch seinen in der Region immer präsenten Hausgeräte-Kundendienst. Nicht nur als Garantieservice für die Premiummarken Bosch, Siemens, Constructa und Neff, sondern für jedes elektrische Hausgerät nach Ablauf der Garantiezeit. Die Servicefahrzeuge mit dem unverwechselbaren ‚H‘ im Firmenlogo sind überall gegenwärtig. Sechs Techniker helfen, falls Spül- oder Waschmaschine, Trockner oder Warmwasserbereiter streiken.
Mit dem Verkauf von Haushaltsgeräten, von Weißwaren bis zum Kaffeeautomaten, begann das Team um Helmut Wolter Anfang der 90er Jahre in zunächst recht bescheidenem Umfang. Zehn Jahre später hatte der Verkauf an Bedeutung gewonnen, die Verkaufsfläche wurde erweitert. Ein nächster Expansionsschritt folgte fünf Jahre danach. Mutig, weil inzwischen die Elektrogroßfachmärkte zu einer Konkurrenz geworden sind. „Ich bin doch nicht blöd“, sagten sich viele und mieden den Einzelfachhandel in dem Glauben „der Preis macht die Musik“.
Firmenchef Wolter erinnert sich, dass es durchaus Momente gab, wo Zweifel am Sinn der Fortführung eines Fachhandelsgeschäftes im klassischen Sinne aufkamen. Doch die Kunden, genauer gesagt, zufriedene und begeisterte Kunden, belehrten ihn eines Besseren. Statt aufzugeben oder das Angebot zu reduzieren, weitete er es aus.
Leistungsversprechen

Auf die unvermittelt gestellte Frage an Kundendienstleiter Kim Wollesen, was sein Angebot von dem des Großmarktes unterscheide, antwortete er spontan: „Die Sicherheit für den Kunden. Vor, während und nach dem Kauf hat er einen persönlichen Ansprechpartner.“
Man könnte ihn ergänzen. „Vertrauen ist der Anfang von allem.“
Dieses Leistungsversprechen haben die Mitarbeiter, voran die sechs Kundenberater (nicht „Verkäufer“) gemeinsam erarbeitet und leben es.
Kim Wollesen ist seit Beginn seiner Berufskarriere 1996 im Betrieb und ein Beispiel für die Beständigkeit, die das Unternehmen prägt. Begonnen hat er als Bürokaufmann-Lehrling und ist heute als Kundendienstleiter einer der Eckpfeiler des Betriebes, neugierig, lernfreudig und zukunftsorientiert.
Aktuell, zum 60-jährigen Bestehen von Holtegel, wurde wieder ein Zeichen gesetzt. Erweiterte, helle, übersichtliche und modern gestaltete Verkaufsräume zeigen, was die Technik für Haus und Hof bereithält. Ein Großteil der Ausstellungsfläche ist für KÄRCHER reserviert, die Marke als Synonym für Reinigungsgeräte.
Die Haushaltsgeräteabteilung bietet eine Vielfalt, die den Elektrogroßfachmärkten die Stirn bieten kann.
„Qualität vor Preis“, ein Prinzip, das, wie Statistiken sagen, immer noch rund 70% der Käufer schätzen. Entscheidend ist, so Kim Wollesen, welche Erwartungen der Kunde hat, nicht, was wir ihm „verkaufen“ wollen. Ihm fällt gleich ein markantes Erlebnis ein. „Ein Kunde kam zu uns, weil er einen Wäschetrockner suchte. Er hatte sich bereits informiert und 1.500 Euro für ein Gerät mit allen Finessen ins Auge gefasst. Im Gespräch mit ihm stellte ich fest, dass einige der ‚Features‘ vom Kunden, besser seiner Frau, nicht gebraucht wurden. Ich schlug also vor, die Ehefrau mit einzuladen. Das Ergebnis: Der Kunde ging mit einem Gerät für 1.000 Euro aus dem Laden.“
Wochen später traf Kim Wollesen den Mann, der ihm überglücklich für die gute und budgetschonende Beratung dankte. Die Folgen sind absehbar. Der Kunde wird wiederkommen und, was noch wichtiger ist, seine Zufriedenheit in den Freundes- und Kollegenkreis weitertragen.
Gelebte Kundenorientierung durch den Kundendienstleiter und die sechs Betreuer: Marcus Lindner, Christoph Rösner, Verena Bollerey, Maren Ehmke, Marvin Roehrich und Frank Bollerey.

Dienstleister für das Gewerbe

Was für den Privatkunden gilt, wissen auch gewerbliche Kunden zu schätzen. Aus den kleinen Anfängen 1956 entwickelte sich ein weiterer Geschäftszweig in der Eckernförder Landstraße: „Wir reparieren alles, was elek-
trisch ist, sich dreht oder bewegt.“
Ein Produktschwerpunkt ist der Verkauf und die Wartung von Pumpen. Als Industrie- und Servicepartner der Fa. Grundfos ist Holtegel über die Stadt hinaus bekannt. Das Leistungsversprechen ist das gleiche wie für den Privatkunden. „Individualität und Vertrauen“ zwischen Anbieter und Kunden, ein Prinzip, das auch in Zeiten des härtesten Wettbewerbs eine Zukunft hat.
Bericht: Dieter Wilhelmy
Fotos: Benjamin Nolte

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