2. Dezember: 15 Jahre Flens-Arena mit der SG

| 25/11/2016

15 Jahre ist es inzwischen her, dass die Region ein neues Bauwerk mit bis dahin unbekannten Dimensionen feierte: Am 2. Dezember 2001 wurde die Campushalle, die heutige Flens-Arena, eingeweiht. 6300 Gäste und Zuschauer füllten damals das Rund. Das „Flensburg-Journal“ blickt auf die anderthalb Dekaden in einigen Episoden zurück – im Mittelpunkt der Hauptmieter: Die SG Flensburg-Handewitt.
Vorgeschichte. Die Handballer der SG näherten sich der europäischen Spitze, gewannen 1997 mit dem EHF-Cup den ersten Titel – da erwies sich die erst 1991 fertiggestellte Fördehalle mit ihren 3500 Plätzen schnell als zu klein. Es bildete sich das Aktionsbündnis „Fördehalle ohne Wenn und Aber“. Die SG gab ein Gutachten in Auftrag. Das Ergebnis: Nur eine multifunktionale Halle würde sich tragen. „Heide Simonis war häufig Gast in der Fördehalle“, erinnert sich der damalige SG-Vizepräsident Frerich Eilts. „Die Ministerpräsidentin vermittelte mir und Schatzmeister Helmut Ermer einen Termin mit dem damaligen Chef der Staatskanzlei, Klaus Gärtner.“ Die Landesregierung äußerte sich wohlwollend zur Initiative der SG.
Im Umland dominierte eine andere Idee: Der Kreis schlug einen Hallenbau in Handewitt vor. Die Region diskutierte über zwei Großprojekte, die SG pochte weiterhin auf eine Lösung für die Fördehalle. „Die Vertreter der Gemeinde Handewitt waren uns böse, da sie hofften, dass die neue Halle im gemeinsamen Gewerbegebiet in Handewitt gebaut wird“, erinnert sich Helmut Ermer. „Bürgermeister Horst Andresen und andere haben uns das lange nachgetragen.“
In Flensburg wurde 1999 Hermann Stell neuer Oberbürgermeister – mit der Maßgabe eine große Veranstaltungshalle in Flensburg zu realisieren. Der Ausbau der Fördehalle wurde noch diskutiert, doch plötzlich betrat ein neuer Akteur die Bühne: Die Flensburger Universität. Das Uni-Rektorat schlug als Standort den Sandberg vor. Die Politik entdeckte diesen Gedankenblitz rasch für sich. Handball, Konzerte und Hochschulsport – all das ließ sich nun bündeln. Das Projekt „Campushalle“ war geboren. Etwa 70 Prozent der rund 24 Millionen Euro teuren Halle stammten vom Land. „Hier entsteht ein Leuchtturm, der über die Region, vielleicht sogar über Schleswig-Holstein hinausragt“, begründete Wirtschaftsminister Bernd Rohwer die starke Förderung. Die enormen Zuschüsse entlasteten die Stadt Flensburg, den Kreis Schleswig-Flensburg und die Provinzial-Versicherung, die die noch immer existierende Eigentümergemeinschaft bildeten.
Baugeschichte. Im Sommer 2000 machte der Entwurf des Hamburger Architekten Bernhard Winking das Rennen. Die Maße der Campushalle standen fest: 90 mal 90 Meter im Grundriss und zwölf Meter in der Höhe. Am 6. Oktober 2000 erfolgte der erste Spatenstich durch Hermann Stell und den amtierenden Landrat Jörg-Dietrich Kamischke. Die Firma „Goldbeck“ fungierte als General-Bauunternehmer. Am 28. April 2001 war Richtfest. Fast zeitgleich gewann die SG im spanischen Leon den Europacup der Pokalsieger. „Damit untermauerte die SG die Vision, mit Hilfe einer großen Veranstaltungshalle auf Dauer Spitzenhandball in Flensburg zu etablieren“, erklärt Frerich Eilts im Rückblick.
Eröffnung. Zwar sprang der ursprünglich vorgesehene Betreiber ab und wurde nach hektischer Suche durch eine Gesellschaft um den Kieler Hallenchef Bernd Hölcke ersetzt, aber der knappe Terminplan hielt. Dann der 2. Dezember 2001: Während auf der einen Seite die letzten Bauarbeiter die Baustelle verließen, strömten auf der anderen die ersten Zuschauer in den neuen „Handball-Tempel“. Die Handball-Tore näherten sich auf einem Laster dem Ziel. Eigentlich sollte eine Abordnung Fans mitfahren. Doch diese Idee unterband die Polizei aus Sicherheitsgründen; die SG-Sympathisanten mussten nebenher gehen. Schlüsselübergabe und Show-Programm prägten den Nachmittag und Abend. Dazwischen gewann die SG ihre Premiere gegen den ThSV Eisenach mit 30:22.
Erste Torschützen. Vor dem Anwurf hatte der Scheinwerfer den SG-Jugendspieler Maximilian Lipp umrahmt, der gegen Torwart-Legende Jan Holpert das erste Tor werfen durfte. Offiziell wurde es ab 14 Uhr. Nach exakt zwei Minuten und 14 Sekunden zappelte der Ball zum ersten Mal im Netz: Das 0:1 für Eisenach durch Preben Vildalen. „Im Spiel habe ich mir nichts dabei gedacht“, sagt der Norweger heute. „Nach dem Ab-
pfiff bin ich aber mehrmals auf das Tor angesprochen wurden. Da wusste ich, das ist etwas für mein weiteres Leben.“ Rund eine Minute später folgte der erste Streich der SG. Igor Lavrov scheiterte an ThSV-Keeper Dragan Jerkovic, den Abpraller erhaschte sich Thomas Knorr, der freie Bahn zum Tor hatte. „Eine schöne Randnotiz“, meint die ehemalige Nummer 20. „Die neue Halle war ein Meilenstein für die SG und wird noch lange stehen.“
Die Nordtribüne. Von Anfang an beherbergt die neue Spielstätte den größten Stehplatz-Bereich im deutschen Handball. Offiziell ist für 1500 Fans Platz auf der Nordtribüne. Dort pulsiert das Stimmungszentrum, was die SG sich vor 15 Jahren auch so erhofft hatte. Theoretisch wäre es denkbar auch die vierte Seite mit Sitzplätzen auszustatten. „Wichtig ist, dass die Nordtribüne so bestehen bleibt, damit die Flens-Arena noch viele stimmungsvolle Handballfeste erleben kann“, meint Sven Anker. Er feuert sein Team seit 15 Jahren an und gehört dem Fan-Club „Alte Garde“ an.
Hallenstreit. Im November 2011 entzündete sich ein Streit zwischen dem neuen Betreiber „Förde Show Concept“ (FSC) und der SG. Argumente wurden teilweise leidenschaftlich und mit persönlichen Nadelstichen ausgetauscht, häufig über die Medien. Der Bundesligist befürchtete eine jährliche Mehrbelastung von 85.000 Euro, schlechtere wirtschaftliche Bedingungen und den Einstieg in eine „Abwärtsspirale“, die Zuschauer, Sponsoren und sportliches Renommee kosten könnte. Die SG liebäugelte mit einem Umzug nach Neumünster oder einem Hallenbau an der deutsch-dänischen Grenze. Das FSC kam mit einem neuen Angebot der SG etwas entgegen. Am 27. März 2012 lenkte die Gesellschafter-Versammlung der SG ein. Inzwischen ist alles in ruhigen Bahnen. Im Sommer 2015 unterschrieb die SG einen bis 2022 gültigen Nutzungsvertrag.
SG-Erfolgsbilanz. Die SG ist aus der europäischen Spitze nicht wegzudenken. Zwei Titel gewann sie sogar direkt in der heutigen Flens-Arena: Am 16. Mai 2004 die deutsche Meisterschaft und am 25. Mai 2012 den Europacup der Pokalsieger. Bislang exakt 356 Handball-Feste (Stand: 12. November) fanden in der „Hölle Nord“ statt. 304 Mal siegte die SG, nur 36 Spiele gingen verloren. Insgesamt 1.985.739 Zuschauer strömten in die Flens-Arena. Gegen Leipzig (30. November) wird die Zwei-Millionen-Schallmauer durchbrochen.

Zeitzeugen der Einweihung

Dierk Schmäschke, damals wie heute SG-Geschäftsführer: „Wir mussten etwas Hals über Kopf einziehen. Parkplätze und Wege waren zum Beispiel noch gar nicht richtig fertig. Als kurz vor der Einweihung der vorgesehene Betreiber ausschied, musste die SG kurzfristig auch diese Aufgabe übernehmen. Eine Riesenarbeit war es zudem, allen Sitzplatz-Inhabern der Fördehalle die passenden Plätze in der Campushalle anzubieten. Dann waren tatsächlich 6000 Zuschauer zum ersten Spiel gekommen, von denen gewiss 2000 blieben, um dem Eröffnungsprogramm mit den Olsen Brothers und Mike Krüger beizuwohnen. Es gab auch eine Luftballon-Vorführung der Jugend und eine Laser-Show. Am Abend waren wir total müde, aber auch froh, alles gut über die Bühne gekriegt zu haben. Der Bau der Campushalle war ein Meilenstein, auch wenn die Zufahrt-Situation und die Parkplätze – das muss man im Nachhinein sagen – nicht gut gelöst wurden.“
Jan Holpert, damals SG-Torwart: „Wir als Mannschaft waren total aufgeregt. Vor der Eröffnung trainierten wir ein bis zwei Mal in der Campushalle. Das Spielfeld war intakt, aber sonst gab es noch einiges, was nicht ganz fertig war oder später umgebaut werden musste. Wir Spieler schätzten das Flair der Fördehalle, wo sich alles eingespielt hatte und wir nach den Spielen die Tribüne hochgingen, um mit den Fans zu schnacken. In der neuen Spielstätte änderten sich viele Dinge, auch die Rituale mussten angepasst werden. Insgesamt spielte sich aber alles schnell ein.“
Jan Fegter, damals SG-Kapitän: „Wie viele andere waren wir innerhalb der Mannschaft skeptisch, was den Neubau der Campushalle anging. Wir wollten in der Fördehalle bleiben, in der wir heimisch geworden waren. Dies wollte sich auch noch nicht so ganz legen, als wir in der Vorbereitung auf das erste Spiel in der Campushalle trainierten. Da war es kalt und ungemütlich, weil auch die Tribünen nicht ausgefahren waren. Als wir dann am Eröffnungstag in die Halle einliefen, war auf einen Schlag alles in Ordnung. Denn nun war die neue Spielstätte mit Licht und Menschen gefüllt. Die Kulisse war – und ist sie bis heute – sehr beeindruckend, sodass die Tränen, die wir eigentlich der Fördehalle hinterher weinten, schnell getrocknet waren. Die anschließende Feier selbst war – soweit ich mich erinnere – sehr harmonisch und entspannt. Sogar Mike Krüger war richtig witzig.“

Text und Fotos: Jan Kirschner

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