Flensburger Köpfe

Rainer Prüß – Was noch?

| 28/05/2014

Ein Bericht über Rainer Prüß, wozu? Kaum ein Flensburger, der diesen Mann nicht kennt. Schon seine Erscheinung – ein Markenzeichen. Groß, schlank, Frisur: Oben streichholzkurz, hinten lang, hell, fast weiß wie auch der sorgsam gestutzte Vollbart.

Rainer Prüß „erscheint“, nicht nur selbst, wenn er mit seiner „Käpt‘n Kümos Marching Band“ mit auffälliger Tuba, genauer gesagt seinem „Susaphon“ durch Flensburgs Straßen zieht, sondern auch präsent in dem von ihm geschaffenen Logo der Stadt Flensburg. Nordisch klare Farben, Formen und Strukturen.

Optisch und stimmlich präsent, wenn er sich in Presse, Funk und Fernsehen – und in der Politik – etwa für den Historischen Hafen einsetzt.

Ein Bericht über Rainer Prüß, wozu also?

 

Rainer Prüß

Rainer Prüß

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Der Künstlerhof liegt etwas versteckt, zugänglich von der Norderstraße oder vom Sackgassenende der Segelmacherstraße. Die Touristenströme, auch die der an Flensburger Höfen interessierten, haben meist schon am Nordermarkt die Segel gestrichen und sitzen in einem der zahlreichen Cafés oder Restaurants im Glauben, alles Wesentliche vom historischen Erbe der Stadt gesehen zu haben.

Dieses Kleinod, fast am Ende der endlos erscheinenden Einkaufs- und Flaniermeile gelegen, strahlt jetzt, im zeitigen Frühjahr, eine mediterrane Beschaulichkeit aus. Hier irgendwo hat Rainer Prüß sein Atelier. Ein Druck auf den Klingelknopf, und Minuten später sind wir mittendrin im Gespräch über die Stadt, ihre Stärken und Schwächen, und natürlich über Rainer Prüß als Person, Künstler, Musiker, Segler, Gestalter, Konzeptionist und gesellschaftlich engagiertem Bürger.

Sollte er sich, der 1945 geborene, als junger Mensch heute für eine ausgeschriebene Stelle in Wirtschaft oder Verwaltung bewerben, würde mancher Personalchef die Augenbrauen heben. Sein schulischer und beruflicher Werdegang ist voller Anläufe, Brüche, Versuche, Neuorientierungen und Wechsel. Unstetigkeit könnte man ihm unterstellen, gar Orientierungslosigkeit. Im Zeitalter von Turboabitur, Schnellstudium und Effizienzkontrolle könnte eine Begabung wie die von Rainer Prüß dem Rotstift der Controller zum Opfer fallen.

In den Jahren seiner Jugend und frühen Erwachsenenzeit gab es zumindest noch Reste eines Wertebewusstseins, das durch Universaltalente wie Goethe, Leibniz, Alexander von Humboldt und Isaac Newton repräsentiert wurde.

Heute sind Mehrfachbegabungen suspekt, da sie der immer mehr geforderten Spezialisierung und Vertiefung von Einzelwissen und –fähigkeiten zu widersprechen scheinen.

Eine Wissenschaftlerin sagte kürzlich: „Der ideale Forschertypus und auch der erfolgreiche Wirtschaftsführer muss autistische Züge haben, sich voll und ganz und unter Ausschaltung störender Außeneinflüsse in seine Arbeit und seine Ziele vertiefen können.“ Welche schreckliche Vision für die Zukunft!

Nein, Rainer Prüß verkörpert diesen Typus nicht. Seine Biografie macht das deutlich.

Geboren und bis zum 21. Lebensjahr aufgewachsen ist er in Dithmarschen, in Meldorf. Er bezeichnet sich heute als „Schlüsselkind“, die Mutter alleinerziehend, die wirtschaftlichen Verhältnisse prekär, der Vater unbekannt.

Die in Meldorf besuchte „Mittelschule“ beurteilt er als revolutionär. „Ich habe die beste Schule der Welt besucht.“ Schon damals gab es Wahlpflichtkurse, in denen sich die Schüler entsprechend ihrer Begabung spezialisieren konnten mit solch für damalige Verhältnisse gewagten Schwerpunkten wie Kommunismus und Sexualität.

Diese Möglichkeit, seine Interessen auszuleben, rettete ihm auch die schulische Karriere.

„In einer normalen Schule wäre ich gescheitert. Mit einer 1 in Zeichnen konnte ich die 5 in Mathematik immer ausgleichen.“

Mehr Pech hatte er in Musik. Er war zweifelsfrei ein guter Flötenspieler. Der Mangel an Notenkenntnissen – übrigens auch heute noch – wurde jeweils mit einer 4 oder 5 „belohnt“. Auf lange Sicht gesehen hat diese Abstrafung seiner Begeisterung für die Musik keinen Abbruch getan.

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