Migranten in Flensburg

Erfolgsgeschichten von Integration (23)

| 27/12/2013

Ferri Entesari

Ferri Entesari

In dieser Reihe berichten wir über Flensburger Bürger mit Migrationshintergrund und bringen Beispiele gelungener Integration. Es kommen Menschen aus unterschiedlichsten Herkunftsländern und ethnischen Volksgruppen zu Wort. Wir erfahren, mit welchen Ängsten und Hoffnungen sie oftmals gekommen sind, um schließlich in Flensburg Fuß zu fassen. Dabei geht es bei weitem nicht allein um wirtschaftliche Erfolge und große Karrieren. Erstaunlich genug ist, mit welchen Anstrengungen diese Menschen ihr Ziel angesteuert haben, um in ihrer neuen Wahlheimat wirklich anzukommen.

Ein Multitalent: Ferri Entesari kommt aus Persien

Ferri Entesari wurde 1973 in Shiras, der Hauptstadt von Persien geboren. Shiras ist die drittgrößte Stadt im Iran. Ferris Vater war Berufsfeuerwehrmann, seine Mutter arbeitete als Modedesignerin. Ihre drei Söhne waren 12, 9 und 5 Jahre alt als die Familie im Jahre 1985 die Heimat in Richtung Europa verließ. Der Iran-Irak-Krieg tobte. Ayatollah Khomeini war Staatsoberhaupt und politischer und spiritueller Führer der islamischen Revolution. In diesem politischen Umfeld sahen Ferris Eltern ihren Vorstellungen nach weder für sich noch für ihre Kinder eine Zukunft. Der psychische Druck trieb sie aus ihrem Heimatland. Von der Türkei aus schafften sie den Flug nach Westberlin. Die Eheleute Entesari sprachen weder Deutsch noch Englisch. Also hofften sie, dass es behördlicherseits egal sein würde, in welchem europäischen Land sie um Asyl bitten könnten. Deshalb setzten sie sich in den nächsten Zug nach Dänemark. Dort aber wurden sie ganz schnell abgefangen und zurück nach Westberlin geschickt, wo die fünfköpfige Familie von den deutschen Behörden festgenommen und nach sechs Wochen in Ingelheim/Rhein ins Abschiebgefängnis gesteckt worden ist. Das zähe Ringen um Asylgewährung und Arbeitserlaubnis dauerte über ein Jahr. Während dieser Zeit wurde die Familie zwischen Ingelheim und Berlin mehrfach hin- und hergeschoben bevor sie zunächst für einige Monate in Wittlich bleiben konnte. Dann ging es weiter über Flensburg, Schleswig und Tarp. Erst in Tarp konnten die Entesaris in eine Wohnung ziehen.

Viel verlorene Zeit

Ferri mit seinen Eltern in Persien

Ferri mit seinen Eltern in Persien

Ferri Entesari, der älteste der drei Brüder, war 12 Jahre alt als die Familie nach Deutschland kam. Er beklagt das verlorene Jahr, in dem so viel Unseliges passiert war. Das Schlimmste dabei sei die Unsicherheit gewesen, wirklich bleiben und arbeiten zu dürfen oder nicht. Die Eltern waren von Anfang an hoch motiviert, sehr schnell die deutsche Sprache zu erlernen. Das galt auch für ihre Söhne. Ferri war 13 Jahre alt als er die erste deutsche Schule in Wittlich besuchen durfte. Er hat ohne jeden Nachhilfeunterricht nur sechs Monate für die deutsche Sprache gebraucht. Dazu erklärt er, dass er das Sprechen durch genaues Hinhören und auf die Lippen schauen sehr schnell geschafft habe. „Hinzu kommt“, sagt Ferri, „dass wir Perser grundsätzlich nicht den Wunsch haben, immer nur unter uns Landsleuten zu sein. Wir sind ein sehr anpassungsfähiges Volk. In unserer Kultur gilt der Spruch: Geh raus und lerne zuerst alles was draußen geschieht und bring es rein! Und was gut davon ist sollst du behalten!“ Wie Ferri sagt, haben seine beiden jüngeren Brüder noch schneller als er Deutsch gelernt. Auch der Vater, er war damals knapp über 40 Jahre alt, spricht ein ebenso elegantes und akzentfreies Deutsch wie seine Söhne. Der Vater hat sich sehr um deren Erziehung kümmern müssen. Denn kaum in Deutschland angekommen, war Ferris Mutter noch einmal zurück in den Iran geflogen, weil deren Mutter verstorben war. Danach vergingen über vier Jahre bevor sie zu ihrer Familie nach Deutschland zurückkommen konnte. Diese viel zu lange Trennung hat der Familie nicht gut getan.

Zunächst arbeitete Ferris Vater als Pizzamann in Tarp. Danach eröffnete er in Leck seinen eigenen Pizzalieferdienst. Sein ältester Sohn Ferri, der inzwischen Schüler auf der Handelslehranstalt war, erledigte nebenbei den wirtschaftlichen Teil des kleinen Familienunternehmens. Auch nach Schulabschluss arbeitete er noch einige Zeit mit im Betrieb.

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