Die Fähre Holnis – Brunsnaes

| 27/03/2013
Fährhaus I0132

Hotel und Restaurant „Fährhaus Holnis“ das neu erbaut wurde. Besitzer von 1898-1937 war Wilh. Andresen

In vergangener Zeit erfolgte der Personen- und Warentransport mit Postkutschen, Wagengespannen mit Pferden und mit Fährschiffen. So auch zwischen Holnis und Brunsnaes (Dänemark).

Bis zum Anschluss Schleswig-Holsteins an Preußen gab es vier Transportrouten:

1. Von Hamburg nach Flensburg und Hadersleben

2. Auf der „Vogelfluglinie“ mit der Fährverbindung Heiligenhafen – Nysted auf Laaland

3. Hamburg – Kiel – Korsör – Kopenhagen

4. Auf dem sogenannten „Strandweg“ über Missunde – Holnis – Alsen – Fünen – Seeland – Kopenhagen.

Die Route Hamburg-Kiel-Korsör-Kopenhagen war nach Fertigstellung der Chaussee Altona-Kiel 1832 und der Eisenbahnstrecke im Jahr 1844 in Verbindung mit dem Aufkommen der Dampfschiffe die schnellste und leistungsfähigste Verbindung. Die Strandverbindung mit der Fähre Holnis-Brunsnaes lag im Bereich des Herzogtums Schleswig und gehörte dem dänischen König sowie den Herzögen von Glücksburg. Fähranleger befanden sich in Missunde, Holnis, Sonderburg und am Aerösund. Diese Verbindung, die an einer Anzahl von Schlössern vorbeiführte, und darin bequemen Aufenthalt bot, wurde von dänischen Königen mit ihrem Hofstaat und von wohlhabenden Reisenden genutzt. Die Betreiber der Fährverbindungen erhielten vom dänischen König einen Erbpacht-Vertrag. Dieser wurde in Vertretung des Königs von der Generalpostdirektion in Kopenhagen und diese wiederum vertreten vom Herrn Amtmann Grafen von Reventlow-Griminil in Flensburg und vom Hardesvogt Holm zu Glücksburg unterzeichnet. Der Fährenpächter hatte bei Annahme des Vertrags einiges zu beachten. Hier einige Formulierungen aus einem Pachtvertrag von 1830 (auszugsweise):

§ 1 Die Fährstelle zu Holnis mit den Gebäuden, Ländereien, Fährbrücken und Fährböten, sowie mit den gegenwärtigen damit verbundenen Gerechtsamen, Las­ten und Abgaben in Erbpacht mit dem vollen Eigentumsrecht überlassen wird, daß Abnehmer besagte Stelle cum pertinentiis (Übers.: mit Zubehör) befugt ist, sie zu verpfänden und zu veräußern. Im Veräußerungsfalle bleibt der königlichen Generalpostdirektion das Näherkaufrecht und die Bestätigung vorbehalten.

§ 2 Das bei der Nordfährbrücke stehende Haus verpflichtet er sich zu conservieren. Dieses Haus muß, nicht ohne Genehmigung der Hardesvogtei, stets von einem zuverlässigen Manne bewohnt werden. Dieser muß die kleine Stube rechter Hand für ankommende Reisende oder zum Aufenthalt des Controlleurs rein und im Winter gewärmt, sowie die größere Stube für Reisende geringen Standes bereit halten, ohne Vergütung für Aufenthalt und Wärme.

§ 5 Der Erbpächter ist verpflichtet zum Übersetzen der Reisenden, stets 3 Böte zu halten, ein großes Segelboot, ein mittelmäßiges Segelboot und ein kleines Ruderboot.

§ 6 Der Erbpächter hat dafür zu sorgen, daß der Hafen stets von Sand und Meergras in der gehörigen Tiefe rein gehalten wird.

§ 8 Der Erbpächter hat die vom 14. Februar 1824 approbirte Fährtaxe auf einer hölzernen Tafel in der Schenkstube des Fährhauses anzuzeigen. Er muß Reisenden im Winter auf Verlangen geheizte Zimmer einräumen und gute Speisen und Getränke gegen billige Bezahlung reichen.

§ 11 Der Erbpächter ist verpflichtet, für die Beförderung der Reisenden zu Lande nach der nächsten Station innerhalb einer Stunde nach Bestellung zu sorgen.

§ 16 Der Erbpächter ist schuldig, das zu verschenkende Bier (zum Ausschank) und Kornbranntwein lediglich von dem Erbpächter der Brau- und Brennerei-Gerechtigkeit zu Ruhetal zu nehmen.

Fährhaus 0140

Das alte Fährhaus Holnis (Teilansicht)

Es gab noch weitere Paragraphen über Pflichten von kostenlosen Hilfen durch umliegende Bewohner und Käthner. Durch den Bau der Eisenbahn über Flensburg hinaus verlor die Fähre ihre Bedeutung. Ab 16. Oktober 1869 wurde das Übersetzen von Fahrzeugen und 1875 der Personenverkehr eingestellt. Am 21. November 1895 verkaufte der Fährbesitzer die beiden Fährbrücken an die Zollverwaltung. Die Fährbrücken sind bis auf buhnenähnliche Steinreste verschwunden.

Brunsnaes ist ein kleiner Ort auf Broager Land in Dänemark. Von dort gab es bereits seit 1209 eine Fährverbindung nach Holnis. Zu der Zeit wurde das Rude Klos­ter gegründet, das außerhalb der Stadtmauer der Stadt Flensburg lag. Die Mönche des Klosters waren mit der Kirche in Broager geschäftlich verbunden. Sie mussten deswegen regelmäßig die Flensburger Förde überqueren.

Text und Fotos: Kurt Tomaschewski

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.